{"id":352,"date":"2020-06-08T11:32:14","date_gmt":"2020-06-08T09:32:14","guid":{"rendered":"https:\/\/www.rainertetzlaff.de\/?p=352"},"modified":"2020-08-03T11:41:38","modified_gmt":"2020-08-03T09:41:38","slug":"afrika-fakten-vorschlage-thesen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.rainertetzlaff.de\/index.php\/2020\/06\/08\/afrika-fakten-vorschlage-thesen\/","title":{"rendered":"Afrika in Corona-Zeiten. Feststellungen und Thesen"},"content":{"rendered":"\n\n\n[et_pb_section admin_label=&#8220;section&#8220;]\n\t\t[et_pb_row admin_label=&#8220;row&#8220;]\n\t\t\t[et_pb_column type=&#8220;4_4&#8243;][et_pb_text admin_label=&#8220;Text&#8220;]<!-- divi:paragraph -->\n<p><strong>Afrika in Corona-Zeiten. Feststellungen und Thesen<\/strong><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:list {\"ordered\":true,\"type\":\"1\"} -->\n<ol type=\"1\"><li><em>Feststellung: Infolge der Corona-Pandemie wird sich das wirtschaftliche Wachstum verlangsamen, in einigen Export-abh\u00e4ngigen Branchen wird es drastisch abnehmen.<\/em><\/li><\/ol>\n<!-- \/divi:list -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Bisher sind ca. 53.000 Afrikaner*Afrikanerinnen an COVID19 erkrankt und nur wenige Tausende gestorben &#8211; nach offiziellen Meldungen (die Dunkelziffern d\u00fcrften ein Mehrfaches betragen; AFP&#8211;Bericht von Anfang Mai 2020). Nach WHO-Berechnungen breitet sich in Afrika das Corona-Virus zwar langsamer aus als in L\u00e4ndern mit durchschnittlich \u00e4lterer Bev\u00f6lkerung; aber gleichwohl k\u00f6nnten sich im Jahr 2020 bis zu 44 Millionen Menschen mit dem Virus in Afrika infizieren, und 190.000 Menschen k\u00f6nnten im ersten Jahr sterben (Report des WHO-Regionalb\u00fcro Brazzaville, laut AFP\/taz-Meldung, 25.05.2020). \u201eEs ist sehr unterschiedlich, auf welche Weise Menschen von der Pandemie betroffen sind, je nach Klasse, <em>race,<\/em> Geschlecht, Religion und auch politischer Einstellung. Die Infragestellung des Status quo der Krisenproduktion ist die Voraussetzung, eine gleichberechtigtere und integrative Debatte \u00fcber Krisen zu gew\u00e4hrleisten\u201c \u2013 mahnte die Ethnologin <em>Teresa Cremer <\/em>(Cremer 2020).<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Nach einer Studie der <em>Afrikanischen Union<\/em> vom April 2020 wird sich Afrikas wirtschaftliche Wachstum infolge der Corona-Pandemie um 0,8% oder um 1,1% abschw\u00e4chen. Auch vor Ausbruch der Corona-Pandemie befand sich die Mehrheit der afrikanischen L\u00e4nder in einem <em>wirtschaftlichen Abw\u00e4rtstrend:<\/em> W\u00e4hrend in der Periode zwischen 2004 und 2008 das j\u00e4hrliche Pro-Kopf-Einkommen noch real um 4% gewachsen war, wurde im Zeitraum 2009 bis 2018 nur noch ein Wachstum von 1,7 % erzielt. Gleichzeitig stieg die <em>Verschuldung<\/em> von 19% Anteil am BIP auf 24% im Jahr 2018. Fast alle L\u00e4nder hatten also schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie einen erh\u00f6hten <em>Kapitalbedarf,<\/em> der nur ungen\u00fcgend durch Ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen (FDI) gedeckt werden konnte. Das Wirtschaftswachstum wird sich in zahlreichen Branchen verlangsamen oder sogar umkehren (Tourismus-Branche; Blumen- und Gem\u00fcseexporte; \u00d6l- und Erdgasausfuhren etc.), und vor allem in den L\u00e4ndern mit schwachem Binnenmarkt oder gro\u00dfer Auslandsabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>2. <em>Feststellung: Neue Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr Afrikas Jugend werden nur zum geringen Teil durch Migration im Ausland entstehen k\u00f6nnen, gro\u00dfen Teils hingegen im Inland in formellen und informellen Wirtschaftssektoren entstehen (m\u00fcssen).<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Auch bei optimistischer Annahme, dass j\u00e4hrlich einige Millionen Afrikaner*innen nach Europa und in den Nahen Osten <em>emigrieren <\/em>k\u00f6nnten (Jakob &amp; Schlindwein 2017; Smith 2018; Collier 2014), wird die <em>wirtschaftliche Zukunft der afrikanischen Jugend<\/em> haupts\u00e4chlich <em>nicht<\/em> in der dauerhaften Auswanderung liegen k\u00f6nnen, sondern in den zu modernisierenden Wirtschaftsr\u00e4umen des afrikanischen Kontinents, soll nicht der Gro\u00dfteil der Erwerbsbev\u00f6lkerung wie bisher in den <em>informellen <\/em>Wirtschaftssektoren auf Subsistenzniveau verbleiben. Der Anteil von <em>formellen Arbeitsverh\u00e4ltnissen<\/em> bei Staat und Privatwirtschaft betr\u00e4gt meistens unter 10% der Erwerbsbev\u00f6lkerung, nicht selten sogar unter 5% (Kappel &amp; Reisen 2029, S. 40). Von den gesch\u00e4tzt 20 Millionen Jugendlichen, die allj\u00e4hrlich die Schulen in Afrika s\u00fcdlich der Sahara (ASS) verlassen (laut BMZ&#8212; \u2018Marshall-Plan\u2018 mit Afrika 2017), werden kaum mehr als insgesamt drei Millionen im <em>formellen Sektor<\/em> ihres jeweiligen Heimatlandes eine Anstellung finden k\u00f6nnen, d. h. in Ministerien, Wirtschafts- &amp; Dienstleistungsunternehmen sowie bei Armee und Polizei. Sie werden jeweils die \u00e4lteren Job-Inhaber abl\u00f6sen. Kaum mehr als \u2013 optimistisch betrachtet &#8211; zwei Millionen junge Afrikaner*innen werden bei den 10.000 gro\u00dfen und kleinen <em>chinesischen Unternehmen<\/em>, die heute in Afrika unterwegs sind, direkt und indirekt einen Job finden k\u00f6nnen. Die&nbsp; 850 <em>deutschen Unternehmen<\/em>, die zurzeit in Afrika im Einsatz sind und die etwa 200.000 Afrikaner besch\u00e4ftigen, k\u00f6nnen \u00fcber staatliche F\u00f6rderprogramme (z. B. infolge des <em>Fachkr\u00e4fteeinwanderungsgesetzes<\/em> von 2020 oder durch Hermes-B\u00fcrgschaften) sowie mit Hilfe intelligenter <em>Migrations- und Ausbildungspartnerschaften<\/em> mit den bisher zw\u00f6lf afrikanischen Reforml\u00e4ndern in naher Zukunft kaum mehr als noch einmal so viele Menschen in Lohn und Brot bringen (weitere 200.000; alle Zahlen aus Tetzlaff 2020).<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Vor diesem Hintergrund wirkt der vage BMZ-Plan \u201e<em>Special Initiative for Training and Employment 2020\u201c<\/em>, in den n\u00e4chsten Jahren 100.000 Jobs zu schaffen und 30.000 Ausbildungspl\u00e4tze bereitzustellen (Kappel &amp; Reisen 2019, S. 52), kaum mehr als der ber\u00fchmte Tropfen auf dem hei\u00dfen Stein. Wenn sich Frankreich, England, Indien, Brasilien&nbsp; sowie andere Handelspartner Afrikas ebenso A<em>rbeitsplatz-aktiv<\/em> verhalten w\u00fcrden wie es Deutschland versprochen hat zu tun, k\u00f6nnten durch begleitende ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen und faire Handelsabkommen insgesamt sch\u00e4tzungsweise maximal weitere zwei Millionen Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr Afrikaner*innen entstehen (Tetzlaff 2020). Andere Sch\u00e4tzungen sprechen von 600.000 Jobs, die durch FDIs in Afrikas St\u00e4dten entstanden sind (Kappel et al. 2017, S. 41) \u2013 auch sie hoch willkommen, aber keine L\u00f6sung des Job-Problems, angesichts eines gesch\u00e4tzten Bedarfs an neuen Arbeitspl\u00e4tzen bis zum Jahr 2030 von etwa 500 Millionen (= knapp 30% der Gesamtbev\u00f6lkerung von 1,7 Mrd. Menschen; Kappel et al 2017, S, 41).<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Folglich fehlt momentan \u2013 wenn alles so weiter liefe wie bisher \u2013 \u201ef\u00fcr zwei Drittel der afrikanischen Jugend\u201c eine befriedigende Erwerbsperspektive (so auch Chef-\u00d6konom <em>Monga<\/em> von der AfDB; Dembowski 2020). Hinzukommen die zu erwartenden Verluste an Arbeitspl\u00e4tzen als Folge der Corona-Pandemie \u2013 etwa 20 Millionen nach Angaben von ILO und WHO (<em>Interview mit Rolf Kappel in \u201emakro\u201c am 19.5.2020: \u201eCorona erreicht Afrika\u201c)<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>3. <em>Feststellung: Die Corona-Pandemie versch\u00e4rft das Problem der Nahrungsmittel-Erzeugung und -Versorgung, und der Hunger wird in den Mega-Cities dramatisch zunehmen, vor allem f\u00fcr Menschen in den informellen Wirtschaftssektoren<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Afrika als Agrarkontinent mit gro\u00dfem nicht produktiv genutzten Fl\u00e4chen importiert bis zu 80% seiner ben\u00f6tigten Nahrungsmittel von anderen L\u00e4ndern, was viele Milliarden Dollar an Devisen kostet, &#8211; Gelder, die besser produktiv investiert werden sollten. Das <em>Berlin-Institut f\u00fcr Bev\u00f6lkerung und Entwicklung<\/em> hat in einer aktuellen Studie <em>\u201eNahrung, Jobs und Nachhaltigkeit. Was Afrikas Landwirtschaft leisten muss<\/em>\u201c (Berlin 2018) aufgezeigt, wie auch Methoden der \u201aGr\u00fcnen Revolution\u2018 und der \u201a<em>sustainable intensification<\/em>\u2018 (nachhaltige Intensivierung) dazu beitragen k\u00f6nnen, einen produktiven Agrarsektor zum Entwicklungsmotor zu machen (was auch der historischen Erfahrung in Westeuropa entsprechen w\u00fcrde).<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Die Dringlichkeit einer Agrarwende liegt auf der Hand: Am Ende des Jahres 2020 k\u00f6nnten 265 Millionen Afrikaner*innen \u201eam Rande des Hungertodes\u201c stehen (so WFP-Pr\u00e4sident <em>David Beasley<\/em> im April 2020). In neun ostafrikanischen L\u00e4ndern k\u00f6nnte sich die Zahl der Hungernden von heute 20 Millionen auf 43 Millionen mehr als verdoppeln. Auch Burkina Faso, S\u00fcdsudan, die Zentralafrikanische Republik, Simbabwe, \u00c4thiopien und Nordostnigeria (acht Mio. Bewohner von Borneo State) seien auf <em>Nahrungsmittelnothilfe<\/em> angewiesen \u2013 insgesamt \u201eungef\u00e4hr 100 Millionen Menschen\u201c, wof\u00fcr die WFP-Direktion 14 Mrd. US $ bis Ende 2020 brauchen w\u00fcrde &#8211; Gelder die nun nicht mehr gespendet w\u00fcrden, \u201ew\u00e4hrend reiche L\u00e4nder zur Stimulierung ihrer nationalen Wirtschaftsprogramme etwa 5 Billionen US-Dollar ausgeben w\u00fcrden\u201c (<em>Africa Confidential, vol. 61, Nr. 10, May 2020, S. 3)<\/em>.<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Als weitere Folge der Corona-Pandemie beklagt die FAO-Direktion den Kontinent-weiten <em>R\u00fcckgang des Handels<\/em> <em>mit Nahrungsmitteln<\/em>, <em>Saatgut, D\u00fcngemitteln, Agro-Chemikalien<\/em> (z. B. zur Bek\u00e4mpfung der Heuschreckenplage) und von Erd\u00f6l- und Erdgas (infolge des dramatischen Preisverfalls), so dass die afrikanischen Farmer und Kleinbauern kaum noch in der Lage seien, ohne Hilfe ihre Felder bestellen zu k\u00f6nnen. Da <em>Reisimporte <\/em>aus zwei der wichtigsten Lieferl\u00e4ndern, n\u00e4mlich Kambodscha und Vietnam, wegen dortiger Exportverbote kaum noch nach Afrika gelangen \u2013 wobei Afrika j\u00e4hrlich f\u00fcr 4,5 Mrd. US $ Reis zu importieren gewohnt war -, dr\u00e4ngt die FAO afrikanische Regierungen dazu, der Eigenproduktion von Nahrungsmitteln endlich h\u00f6chste Priorit\u00e4t einzur\u00e4umen (<em>Africa Confidential, vol. 61, Nr. 10, May 2020, S. 4).<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>4. <em>Feststellung: Der Klimawandel beg\u00fcnstigt Landflucht, Urbanisierung und Gesundheitsgef\u00e4hrdung der Bev\u00f6lkerung und erschwert so den Ausweg aus dem \u201aTeufelskreis der Armut\u2018<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Erfreulicherweise konnte die <em>Armut<\/em> in einigen L\u00e4ndern (wie Marokko, Botswana, Ghana, Kenia, \u00c4thiopien oder Senegal) in den vergangenen Jahren gesenkt werden, aber das zentrale Ziel der <em>UN Millenniums Development Goals<\/em> von 2000 \u2013 die Halbierung der Armutsquote &#8211;&nbsp; wurde in Subsahara-Afrika klar verfehlt: Noch immer leben ca. 45% bis 49% der Afrikaner*innen (ca. 540 Mio. bis 590 Mio.) unterhalb der Armutsgrenze. Unter den zahlreichen Ursachen dieses komplexen Problems rangiert das <em>relative Bev\u00f6lkerungswachstum<\/em> \u2013 relativ im Verh\u00e4ltnis zu wirtschaftlichem Wachstum und Produktivit\u00e4t der Volkswirtschaft &#8211;&nbsp; an erster Stelle (Abi 2020). W\u00e4hrend das wirtschaftliche Wachstum pro Kopf j\u00e4hrlich um ca. 2% zunahm, wuchs die Bev\u00f6lkerung um ca. 2,7% (Zahlen nach Tetzlaff 2018, S. 320; BIBE 2020), so dass es zu einem Mangel an selbst akkumuliertem Investitionskapital kommen musste.<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Eine weitere Ursache f\u00fcr die Zunahme von Hunger, Arbeitslosigkeit und Armut ist der <em>Klimawandel<\/em>. \u201e<em>Er ist l\u00e4ngst die \u00dcberlebensfrage der Menschheit. B\u00f6den verdorren, Wasserreserven gehen rapide zur\u00fcck, Wetterextreme nehmen zu. Experten rechnen mit 85 Millionen Klimafl\u00fcchtlingen in Afrika bis 2050\u201c<\/em> (BMZ 2020). Die WHO bef\u00fcrchtet, dass sich in K\u00fcrze die Zahl der <em>Malaria-Toten<\/em> von rund 400 000 j\u00e4hrlich auf fast 800 000 erh\u00f6hen k\u00f6nnte \u2013 wegen logistischer Engp\u00e4sse und steigender Transportkosten (Thilo Thielke in FAZ vom 7.5.2020, S. 10). Die internationale Nahrungsmittelhilfe (FAO, WHH, IBRD, Brot f\u00fcr die Welt etc.) reicht schon heute nicht mehr, den auch global gestiegenen Bedarf auch nur ann\u00e4hernd zu decken. Dazu versch\u00e4rft der Corona-bedingte R\u00fcckgang der <em>Remittances<\/em> \u2013 bisher j\u00e4hrlich zwischen 50 und 100 Mrd. US $ &#8211; die Versorgungslage in zahlreichen L\u00e4ndern mit Grundnahrungsmitteln, weil die Kaufkraft schwindet. Auch die <em>Diaspora-Gemeinden<\/em> in Deutschland und anderswo sind Opfer der Corona-Pandemie und werden wohl vergeblich auf Unterst\u00fctzung warten.<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>In zahlreichen L\u00e4ndern Afrikas besteht so ein <em>Teufelskreis der Armut <\/em>\u2013 strukturelle Armut f\u00f6rdert Krankheiten (und umgekehrt) und beg\u00fcnstigt sowohl Arbeitslosigkeit als auch Bildungsdefizite (prim\u00e4r bei Frauen), die wiederum zusammen weitere Armut, Ern\u00e4hrungs-Unsicherheit sowie mangelnde Einkommensm\u00f6glichkeiten (und ungewolltes Bev\u00f6lkerungswachstum) als unerw\u00fcnschte Folgen haben. Massive Investitionen aus dem In- und Ausland in die marode bzw. unentwickelte Infrastruktur k\u00f6nnte einen Ausweg er\u00f6ffnen (Jeffry Sachs-Programm), aber heute schon betr\u00e4gt die <em>Finanzierungsl\u00fccke<\/em> bei notwendigen <em>Infrastruktur<\/em> \u2013Investitionen in Subsahara-Afrika 30 Mrd. US $ j\u00e4hrlich; die L\u00fccke an Investitionen f\u00fcr kleine und mittelgro\u00dfe Unternehmen im formalen Sektor (SME) wird mit ca. 70 bis 90 Mrd. US $ j\u00e4hrlich veranschlagt (<em>Kappel u.a. 2017, S. 44<\/em>). Es Ist kaum damit zu rechnen, dass die OECD-L\u00e4nder angesichts hoher Schuldenberge \u00a0und eigener Corona-bedingter finanzieller und logistischer Engp\u00e4sse in den n\u00e4chsten Jahren diese Kapitall\u00fccken werden schlie\u00dfen k\u00f6nnen, selbst wenn sie wollten. Nicht auszuschlie\u00dfen ist, dass die <em>Volksrepublik China<\/em> versuchen wird, ihr 2020 entstandenes Negativ-Image als rassistische Gesellschaft, die afrikanische Arbeiter, Unternehmer und Studenten in China w\u00e4hrend der Corona-Krise zuweilen absch\u00e4tzig behandelte, durch umfangreiche Investitionen und Geldtransfers aufzubessern.<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>5. <em>Feststellung: Ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen (FDI) konzentrierten sich lange auf wenige Rohstoffl\u00e4nder; Initiativen zur Diversifizierung der Wirtschaft beg\u00fcnstigen das Wachstum von st\u00e4dtischen Konsumm\u00e4rkten<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Die FDI-Zufl\u00fcsse nach Afrika waren von 9,7 Mrd. US $ im Jahr 2000 auf 54 Mrd. US $ im Jahr 2015 gestiegen, allerdings konzentriert auf wenige Rohstoffl\u00e4nder, darunter die \u00d6lexportl\u00e4nder Angola, Kongo-Brazzaville, Nigeria und Sudan. Zu den zehn Top-L\u00e4ndern mit den meisten <em>FDI-Projekten<\/em>, die der Diversifizierung und Industrialisierung dienen, geh\u00f6ren 2015 \u00c4gypten. \u00c4thiopien, Elfenbeink\u00fcste, Ghana, Kenia, Marokko, Mosambik, Nigeria, S\u00fcdafrika und Uganda (nach <em>Kappel et al. 2017, S. 27<\/em>). Der j\u00fcngste Trend zeigt aber deutlich eine Erweiterung des Empf\u00e4ngerspektrums auch auf L\u00e4nder mit wachsender <em>Mittelschicht<\/em> (einer <em>floating class<\/em>, die bereits heute, bei optimistischer Annahme, bei Wachstumsl\u00e4ndern bis zu einem Drittel der Gesamtbev\u00f6lkerung betragen kann).<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p><em>Deutsche Afrika-Firmen<\/em> haben bisher nur ein geringes Investitions-Volumen erreicht (mit 200.000 geschaffenen Arbeitspl\u00e4tzen vor Ort), weil die afrikanischen M\u00e4rkte klein und die unternehmerischen Risiken auf Grund des nicht sehr marktfreundlichen Investitionsklimas gro\u00df sind. Au\u00dferdem wirkt die defizit\u00e4re Infrastruktur (Energieversorgung, Zustand der Verkehrswege, b\u00fcrokratische H\u00fcrden; unterentwickelter Banksektor) eher abschreckend als einladend. Seit der 2018 begonnenen <em>Compact with Africa<\/em>-Diplomatie der G20-Staaten, einschlie\u00dflich der aktiven Rolle der deutschen Bundesregierung, sind Bestrebungen im Gange, in <em>L\u00e4ndern mit reformorientierten Regierungen <\/em>Wandel durch Investitionen, Migrationspartnerschaften&nbsp; und Handelserleichterungen zu schaffen (<em>N\u00e4heres dazu bei Kappel &amp; Reisen 2019)<\/em>.<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Auch die gro\u00dfe Zahl an <em>Nicht-Regierungsorganisationen<\/em> (NRO), kirchlichen Vereinen und <em>Kommunen<\/em> (der EU-L\u00e4nder), die nicht nur in Reforml\u00e4ndern, sondern auch in \u201aFassendemokratien\u2018 und \u201afailed states\u2018 unter schwierigsten Bedingungen aktiv sind, k\u00f6nnen nur einen kleinen Beitrag zur L\u00f6sung des Job-Problems erbringen, &#8211; unter anderem auch dadurch, dass sie mithelfen, in den Heimatl\u00e4ndern nach dauerhaften Einkommensm\u00f6glichkeiten zu suchen oder solche zu schaffen (Nat\u00fcrlich dient auch ihr Einsatz indirekt dem Ziel, junge Menschen von der risikoreichen Migration abzuhalten).<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>6. <em>Feststellung:<\/em> <em>Das Auseinanderdriften Afrikas in L\u00e4nder mit und ohne Reformdynamik \u2013 die Kontinent-weite Diversifizierung und Spaltung &#8211;\u00a0 nimmt weiter zu.<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Neben einer Gruppe von etwa <em>zehn wirtschaftlich und politisch relativ erfolgreichen Reforml\u00e4ndern<a href=\"#_ftn1\"><strong>[1]<\/strong><\/a><\/em><strong> (<\/strong>Mauritius, Botswana, Namibia; Kap Verde, Ghana, Burkina Faso, Senegal, Elfenbeink\u00fcste; Tunesien und Marokko), gibt es die etwa gleichgro\u00dfe L\u00e4ndergruppe der <em>Staatszerfalls-L\u00e4nder<\/em> (<em>failing states<\/em>), &#8211; darunter Somalia, S\u00fcdsudan, Simbabwe, Burundi, DR Kongo, Tschad, Mali, Nord-Nigeria und Libyen. In diesen von staatlicher Misswirtschaft oder von B\u00fcrgerkriegs-Parteien, ethnischen Milizen und Dschihadisten heimgesuchten L\u00e4ndern sind weder durch klassische Entwicklungshilfe (Projekthilfe, Budgethilfe) noch mittels ausl\u00e4ndischer Direktinvestitionen nachhaltige Fortschritte zu erwarten. Hier ist h\u00f6chstens politische <em>Stabilisierung <\/em>der Institutionen des Kernstaates (<em>state-building<\/em>) von innen und au\u00dfen das einzig realistische&nbsp; Kooperationsziel \u2013 abgesehen vom Einsatz der NGOs unterhalb der staatlichen Kooperationsebene.<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Zur Zeit ist <em>Mali<\/em> das Land, in dem ca. 1400 Soldaten und Milit\u00e4rausbilder aus westlichen L\u00e4ndern seit sieben Jahren versuchen, die \u201aSomaliaisierung\u2018 oder \u201aAfghanistanisierung\u2018 des Vielv\u00f6lkerstaates zu vermeiden &#8211; angesichts einer eher reformresistenten, ethnisch nicht balancierten Regierung eine Sysiphus-Aufgabe (Harding 2020). Die externe Milit\u00e4rintervention (plus Armeeausbildung) ist wohl vor\u00fcbergehend als unvermeidbar anzusehen, erscheint aber gleichwohl ohne Aussicht auf dauerhafte Konsolidierung<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a>.<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>7. <em>Feststellung: Entwicklungserfolge sind abh\u00e4ngig von einer politisch ambitionierten Staatsf\u00fchrung (im Sinne der \u201adevelopmental state\u2018-Theorie): \u00c4thiopien, Ruanda etc.<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Zwischen den beiden <em>Governance<\/em>-Polen (Demokratie und Staatszerfall) l\u00e4sst sich als eine <em>dritte Gruppe<\/em> mit etwa drei\u00dfig L\u00e4ndern Staaten ausmachen, denen fehlende Reformbereitschaft auf Seiten der Regierung, endemische Korruption im Verwaltungsapparat und Unterversorgung der Bev\u00f6lkerung mit \u00f6ffentlichen G\u00fctern (Bildung, Gesundheit, Sicherheit) gemeinsam ist. Sie werden oftmals als <em>\u201eFassaden-Demokratien\u201c<\/em> oder \u201e<em>Kleptokratien\u2018<\/em>\u201c bezeichnet. Hier sind \u2013 nicht zuletzt auf Grund des wachsenden Bev\u00f6lkerungsdrucks \u2013 \u00dcberlebensk\u00e4mpfe zwischen rivalisierenden ethnisch-regionalen Gruppen um knapper werdende Ressourcen wie Ackerland, Weiden, Oasen, Flusswasser, Stipendien und Jobs an der Tagesordnung. Hier zu helfen, w\u00e4re besonders dringlich, ist aber aus politischen Gr\u00fcnden ziemlich aussichtslos; denn es handelt sich um Regierungen, die \u201eReformen\u201c versprechen, diese aber nie ins Werk setzen, aus Angst, die Kontrolle \u00fcber den sozio-\u00f6konomischen Wandel zu verlieren.<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Ferner kann <em>viertens<\/em> noch eine kleine L\u00e4ndergruppe von wirtschaftlich erfolgreichen <em>\u201eEntwicklungsdiktaturen<\/em>\u201c identifiziert werden, deren Regierungen im Sinne der Theorie des <em>developmental state<\/em> durch entwicklungspolitische Leistungen (anstelle von freien und fairen Wahlen) Herrschaftslegitimation zu erlangen suchen \u2013 mit fast allen zu Gebote stehenden Mitteln (nach singapurischem oder chinesischem Vorbild). Im Unterschied zu <em>S\u00fcdafrika und Nigeria<\/em> als den beiden wirtschaftlichen Schwergewichten des Kontinents, die seit einigen Jahren allerdings \u201eschlecht regiert\u201c werden (Seitz 20018) und als Entwicklungsmotoren ausfallen (Tetzlaff 2028), geh\u00f6ren dazu <em>\u00c4thiopien und Ruanda, <\/em>sowie ansatzweise auch<em> \u00c4gypten, Kenia und Uganda<\/em>. Hier sind erste bemerkenswerte Fortschritte auf den Gebieten der <em>Bev\u00f6lkerungspolitik,<\/em> der <em>Familienplanung und der Schulbildung<\/em> <em>von M\u00e4dchen und Frauen<\/em> gemacht worden, d. h. in den Bereichen, die theoretisch den gr\u00f6\u00dften Nutzen <em>im Kampf gegen Armut, Fatalismus, Fehlern\u00e4hrung und Armutsmigration<\/em> erbringen (BIBE 2018). Ob die von oben angeordneten Reformen auch langfristig Bestand haben, steht in den Sternen \u2013 ihre Institutionalisierung muss noch vertieft werden -, aber sie verdienen als Wachstums- und Job-Motoren externe Unterst\u00fctzung, gem\u00e4\u00df der Logik, Wandel durch Handel.<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>8. <em>Feststellung: Die Entwicklungshilfe-Politik Deutschlands \u2013 bisher auf Systemebene relativ wirkungslos \u2013 wird selektiver und auf das Ziel der Stabilisierung reformwilliger Regierungen ausgerichtet.<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Die M\u00f6glichkeiten, mittels ODA-Mitteln von au\u00dfen Entwicklung in afrikanischen L\u00e4ndern positiv zu beeinflussen, sind begrenzter als oft auf Geberseite zugegeben wird (Andersen 2012; Moyo 2009; Gebauer &amp; Trojanow 2018). Hier herrscht oftmals Realit\u00e4tsverlust, der sich in der notd\u00fcrftig verschleierten Differenz zwischen politischer Rhetorik und politischer Wirkung widerspiegelt: Man verspricht als relativ unscheinbarer nationaler Akteur (deren Fachministerien untereinander nicht selten unterschiedliche Interessen vertreten) Wandel, den man aber allein \u2013 ohne die anderen EU-Mitgliedsl\u00e4nder \u2013 niemals erfolgreich ins Werk setzen k\u00f6nnte, weil dazu das n\u00f6tige <em>politische leverage<\/em> fehlt, um sachfremde Widerst\u00e4nde zu \u00fcberwinden. Nur allzu h\u00e4ufig praktiziert eine afrikanische Regierung als Repr\u00e4sentantin eines formal souver\u00e4nen Staates ihr Recht auf Verweigerung der gew\u00fcnschten Entwicklungskooperation: H\u00e4ufig blockiert die enge Verflechtung der gro\u00dfen der gro\u00dfen stattlichen, privaten und privatisierten Unternehmen mit der von au\u00dfen alimentierten postkolonialen Staatsklasse \u2013 verflochten \u201edurch Korruption, Ausschaltung des Wettbewerbs, G\u00e4ngelung, \u00dcber-Regulierung, willk\u00fcrliche Besteuerung, politische N\u00e4he und Intransparenz\u201c (Bass, Kappel &amp; Reisen 2916, S. 15) \u2013 notwendige Strukturreformen und somit m\u00f6gliche Entwicklungserfolge. Regierungen geht es eher um Machterhalt, wozu kurzfristig Staatsrevenuen eingesetzt werden (zur Alimentierung ihrer Klientelgruppen), als um Strukturreformen, die erst langfristig Fr\u00fcchte bringen und dem politischen Rivalen n\u00fctzen k\u00f6nnten. ODA-Mittel, vorgesehen f\u00fcr produktive Zwecke in Nicht-Demokratien, sind \u201afungibel\u2018.<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Im Mai 2020 verk\u00fcndete der Bundesminister f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung <em>Gerd M\u00fcller<\/em> die <em>Abkehr vom Gie\u00dfkannenprinzip<\/em> und eine Fokussierung der Mittel auf reformwillige L\u00e4nder. Das ist zu begr\u00fc\u00dfen, irritierend wirkt dabei, dass diese Politik mit den anderen EU-L\u00e4ndern nicht abgestimmt zu sein scheint. Auf der Liste der L\u00e4nder, deren Regierungen zuk\u00fcnftig nicht mehr mit deutschen ODA-Leistungen bedacht werden sollen, sind nur vier afrikanische L\u00e4nder platziert, n\u00e4mlich Burundi, Sierra Leone, Liberia und Sierra Leone (alles L\u00e4nder mit hohen <em>Transparency International <\/em>\u2013 Korruptionsindex-R\u00e4ngen: 165, 130, 137 und 119). Auf der Ausstiegsliste fehlen aber hoch korrupte L\u00e4nder wie DR Kongo (TI-Index-Rang 168), Kongo-Brazzaville (165), Tschad (162), Kamerun (153) und vor allem Mosambik, ein Zentrum des globalen Heroinhandels (153) (Seitz 2020).<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Das aktuelle Reformkonzept des BMZ 2020 beruht auf folgenden, durchaus begr\u00fc\u00dfenswerten <em>vier Prinzipien<\/em>, <em>\u201eS\u00e4ulen<\/em>\u201c genannt: <em>Erstens:<\/em> \u201eUnsere Partnerl\u00e4nder m\u00fcssen selbst mehr leisten! Eigeninitiative ist der Schl\u00fcssel zur Entwicklung\u201c. <em>Zweitens<\/em>: Ausbau der \u201eReformpartnerschaften\u201c durch zus\u00e4tzliche Mittel. <em>Drittens<\/em>: F\u00f6rderung der Privatinvestitionen, insbesondere von Mittelst\u00e4ndlern. <em>Viertens:<\/em> \u201eWir m\u00fcssen fairen Handel erm\u00f6glichen. Damit l\u00f6sen wir die gr\u00f6\u00dften Entwicklungsspr\u00fcnge aus\u201c (BMZ 2020). Damit verweist das BMZ auf die unerfreuliche Tatsache, dass der Handel zwischen Deutschland und den afrikanischen L\u00e4ndern seit Jahren r\u00fcckl\u00e4ufig ist (vor allem Abnahme der afrikanischen Exporte) und sich strukturell kaum ver\u00e4ndert hat: noch immer exportieren afrikanischen L\u00e4nder zu ca. 80% unverarbeitete Rohstoffe (Tetzlaff 2020) und sind kaum in internationale Wertsch\u00f6pfungsketten eingebunden (<em>Christoph Kannegie\u00dfer, Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft im Interview mit der Deutschen Welle am 13.05.2020).<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p><em>Es folgen nun f\u00fcnf Thesen oder Vorschl\u00e4ge zur Entwicklung afrikanischer L\u00e4nder.<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p><em>These 1: Eine Kernthese dieser Abhandlung besteht in der Annahme, dass f\u00fcr die afrikanische Jugend die Aussicht auf ein Arbeitsleben jenseits von Armut, Abh\u00e4ngigkeit und Perspektivlosigkeit haupts\u00e4chlich in Afrika, und nur zum kleinen Teil im Ausland und in der Diaspora, liegen kann, &#8211; wenigstens langfristig.<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>An diesem Fernziel sollte sich auch die Entwicklungshilfepolitik der OECD-Staaten sowie die <em>Compact with Africa<\/em>-Diplomatie orientieren, &#8211; wohl bedenkend, dass diese Grundeinstellung auch auf starken Wiederstand seitens der beharrenden Status-quo-Kr\u00e4fte sto\u00dfen wird. Sechzig Jahre internationale Entwicklungszusammenarbeit \u2013 mit 135 Mrd. US $ j\u00e4hrlicher Hilfe aus OECD-L\u00e4ndern (Gebauer &amp; Trojanow 2018, S. 19) &#8211; hat vielerorts in Afrika das Bewusstsein f\u00fcr den <em>Wert der Eigenleistung<\/em> verk\u00fcmmern lassen. Dagegen rebellieren nun frustrierte Jugendliche in Afrikas St\u00e4dten und einige Repr\u00e4sentanten der afrikanischen Kultureliten wie beispielsweise die afrikanischen Autoren und \u201aInfluencer\u2018 <em>Moeletsi Mbeki, Ngugi wa Thiong\u2019o, Wole Soyinka, Chimamanda Ngozi Adichie, Achielle Mbembe und Felwine Sarr<\/em>. Die Schaffung von <em>nachhaltigen Arbeitspl\u00e4tzen auf breiter sozialer Basis in funktionierenden Demokratien<\/em> kann als prim\u00e4res Entwicklungsziel der Reformer angesehen werden.<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p><em>These 2:<\/em> <em>Eine nachhaltige Entwicklungsstrategie sollte aus einer je spezifischen Kombination von drei Entwicklungskomponenten bestehen \u2013 bei Priorit\u00e4t f\u00fcr Steigerung der Agrarproduktivit\u00e4t: Die notwendige Agrarmodernisierung, inklusive Bodenbesitzreform, k\u00f6nnte die Basis f\u00fcr industriell verarbeitete Rohstoffe (Agro-Industrien) liefern, was mit &nbsp;sozial breit angelegten Investitionen in \u201ahuman capital\u2018, d. h. in Bildung und Gesundheit, einschlie\u00dflich Familienplanung, verbunden werden m\u00fcsste (inklusives Entwicklungs-Konzept).<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Die Vorrangigkeit der Eigenversorgung der Bev\u00f6lkerung mit lokal produzierten Lebensmitteln \u2013 beschleunigt durch die Corona-Pandemie \u2013&nbsp; l\u00e4sst die Notwendigkeit einer Bodenrechtsreform (Abschaffung des Staatsbesitzmonopols) sowie des Ausbaus marktkonformer Infrastruktur-Investitionen (Stra\u00dfenbau, Energieversorgung, Markthallen, Kreditsystemen) als vern\u00fcnftig erscheinen. Das <em>Berlin-Institut f\u00fcr Bev\u00f6lkerung und Entwicklung<\/em> (BIBE) hat in seiner Studie <em>\u201eNahrung, Jobs und Nachhaltigkeit. Was Afrikas Landwirtschaft leisten muss<\/em>\u201c (Berlin 2018) aufgezeigt, wie Methoden der \u201aGr\u00fcnen Revolution\u2018 und der <em>sustainable intensification<\/em> (nachhaltige Intensivierung) dazu beitragen k\u00f6nnen, einen produktiven Agrarsektor zum Entwicklungsmotor zu machen (was auch der historischen Erfahrung in Westeuropa entspricht).<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Einen \u00e4hnlichen Ansatz verfolgt auch die <em>African Development Bank (AfDB)<\/em>, deren Chief-\u00d6konom <em>C\u00e9lestin Monga<\/em> k\u00fcrzlich zu bedenken gab: \u201eAutomatisierung und Modernisierung der Landwirtschaft\u201c mit bisher sehr niedriger Produktivit\u00e4t \u201ek\u00f6nnten die Landwirtschaft transformieren und neue Berufe schaffen. Daher m\u00fcssten Erwerbschancen jenseits der Felder entstehen \u2013 beispielsweise in der Verarbeitung von Agrarerzeugnissen oder in der Zulieferung f\u00fcr Bauernh\u00f6fe\u201c. Nur so k\u00f6nnten 12 bis 15 Millionen neue Jobs geschaffen werden, die heute dringend gebraucht w\u00fcrden: Denn etwa zwei Drittel der afrikanischen Erwerbsf\u00e4higen seien arbeitslos oder nicht ihrer Qualifikation entsprechend besch\u00e4ftigt (<em>C. Monga, An African Manifesto der AfDB 2019, zit. in E &amp;Z, Heft 03-04\/2020, S. 25).<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p><em>These 3:<\/em> <em>Die bisher \u00fcbliche Vernachl\u00e4ssigung des l\u00e4ndlichen Raums m\u00fcsse durch die gezielte Inklusion<\/em> <em>SME<\/em> (<em>small and middle enterprises<\/em>)<em> \u00fcberwunden (Kappel) und mit einer Bildungsoffensive verbunden werden (Langhammer)<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p><em>Rolf Langhammer<\/em>, bis 2012 der Afrika-Experte des Kieler Instituts f\u00fcr Weltwirtschaft (KfW), betont in seinem <em>\u201eReformplan f\u00fcr Afrika\u201c <\/em>vom April 2020 die Schl\u00fcsselfunktion des <em>l\u00e4ndlichen Raums<\/em>, flankiert von agrarwissenschaftlicher Bildungsinitiativen: Eine bessere Bildung in den L\u00e4ndern w\u00fcrde \u201edas Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Notwendigkeit, neue Nutzungsrechte f\u00fcr den Boden zu schaffen und zu sichern. Dies w\u00e4re eine Grundlage daf\u00fcr, die Erkenntnisse der Agrarwissenschaft f\u00fcr Produktivit\u00e4tsverbesserungen afrikanischer B\u00f6den zu nutzen und nat\u00fcrlichen Herausforderungen wie Versteppung und Sch\u00e4dlingsbefall besser zu begegnen. Es entst\u00fcnde eine Quelle f\u00fcr Einkommen und Unternehmertum im l\u00e4ndlichen Raum, die mit Hilfe der durchgreifenden Reformen gegen die Benachteiligung des l\u00e4ndlichen Raums in allen Politikfeldern verstetigt werden k\u00f6nnte. Der l\u00e4ndliche Raum k\u00f6nnte zur Grundlage innerafrikanischer Lieferketten werden und dabei die Informations- und Agglomerationsvorteile der urbanen Zentren nutzen\u201c (<em>R. Langhammer, Ein Reformplan f\u00fcr Afrika, in: FAZ vom 30.04.2020, S. 18).<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p><em>Robert Kappel, Birte Pfeiffer und Helmut Reisen<\/em> zeigen auf, unter welchen Umst\u00e4nden langfristig angelegte ausl\u00e4ndische Privatinvestitionen Innovationssch\u00fcbe in L\u00e4ndern mit attraktiven Gesch\u00e4ftsklima ausl\u00f6sen k\u00f6nnten. Ziel dabei sei eine <em>strukturelle Transformation<\/em> von Rohstoff-Export\u00f6konomien zu sich industrialisierenden \u00d6konomien mit einem aussichtsreichen Konsumg\u00fctersektor f\u00fcr die wachsenden Mittelschichten. Dazu m\u00fcssten allerdings die <em>politischen <\/em>Rahmenbedingungen stimmen \u2013 die beliebte Wunschformel aller Wirtschaftsberater!<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p><em>These 4: In den EU-L\u00e4ndern wird die Wirksamkeit von externen Hilfsma\u00dfnahmen oft \u00fcbersch\u00e4tzt: Vielleicht zuweilen gut gemeint, sind sie aber ziemlich wirkungsarm und politisch nicht selten kontraproduktiv.<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Hier wird ein <em>Souver\u00e4nit\u00e4tsparadox<\/em> sichtbar, an dem viele der gut gemeinten Reformvorschl\u00e4ge bislang scheiterten: Weil Staaten als anerkannte V\u00f6lkerrechtssubjekte souver\u00e4n handeln und somit auch vern\u00fcnftige Reformen, die der breiten Bev\u00f6lkerung n\u00fctzen w\u00fcrden, verhindern k\u00f6nnen, prallen l\u00f6sungsorientierte Entwicklungspolitiken von au\u00dfen ab; denn r\u00fccksichtslose Herrschaftssicherung \u2013 koste sie was sie wolle &#8211; hat Vorrang vor nationalem Gemeinschaftswohl. Logischerweise ist daraus zu schlussfolgern, dass nur ein Beitrag zur St\u00e4rkung der <em>gesellschaftlichen Reformkr\u00e4fte aus den einheimischen Ober-, Mittel- und Unterschichten <\/em>uns dem Ziel einer diversifizierten, innovationsf\u00e4higen Wirtschaftspolitik n\u00e4her bringen k\u00f6nnte.<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Daher sind<em> Entwicklungspolitiker der OECD-L\u00e4nder<\/em> gut beraten, wenn sie die \u201e<em>structural change<\/em>\u201c-Komponenten (inklusives Wachstum durch Modernisierung der Landwirtschaft mit Aufbau von Agro-Industrien; F\u00f6rderung des lokalen Unternehmertums und der lokalen Arbeitspotentials) st\u00e4rker in den Blick nehmen w\u00fcrden \u2013 besonders bei der F\u00f6rderung der zw\u00f6lf vom <em>\u201eG20 Compact with Africa\u201c<\/em> ausgew\u00e4hlten Reforml\u00e4nder. Die Regierungen anderer L\u00e4nder-Gruppen (der Kategorie \u201edefekte Demokratien\u201c) sollten versuchsweise mittels <em>positiver materieller Anreize<\/em> zu Reformen ermutigt werden (z. B. mittels Schuldenerlass im Austausch f\u00fcr klimagerechte und sozialvertr\u00e4gliche Agrarreformen). Bewusste Nicht-Kooperation seitens afrikanischer Partner (Veruntreuung von ODA-Mitteln, wie j\u00fcngst von der Weltbank skandalisiert) sollten zu Konsequenzen und ggfs. zum R\u00fcckzug der EU-Geber f\u00fchren (Exit-Strategie), um in Afrika verlorene Glaubw\u00fcrdigkeit zur\u00fcckzugewinnen. ODA-Mittel sollten nicht weiter zur Stabilisierung politischer Verh\u00e4ltnisse missbraucht werden, die Entwicklungsfortschritte nachweislich blockieren (Bonner Aufruf 2018; Tetzlaff 2018; Bass, Kappel &amp; Wohlmuth 2016; Collier 2014).<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Da der Markt alleine die in Afrika n\u00f6tigen Arbeitspl\u00e4tze nicht schaffen wird, sind sorgf\u00e4ltig konzipierte \u00f6ffentliche Besch\u00e4ftigungsprogramme <em>Public Works Programes (PWPs) <\/em>eine unterst\u00fctzungsw\u00fcrdige Ma\u00dfnahme (durchaus auch mit ODA-Mitteln): Sie schaffen Jobs, verbessern die Infrastruktur, bringen Einkommen f\u00fcr bed\u00fcrftige Menschen, einschlie\u00dflich f\u00fcr Frauen und Jugendliche, zum Beispiel nach folgender Methode: Jeweils eine Person aus jedem armen l\u00e4ndlichen Haushalt stehen j\u00e4hrlich 100 Arbeitstage zum gesetzlichen Mindestlohn im Infrastrukturaufbau zu (von Braun &amp; Sakketa 2020, S. 43).<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p><em>These 5: Die Corona-Pandemie mit ihren negativen Auswirkungen auf Gesundheit, Jobs, Ern\u00e4hrung und Frieden schw\u00e4cht heute Mehrparteien-Demokratien und zivilgesellschaftliche Widerstandskr\u00e4fte; aber nach \u00dcberwindung der gr\u00f6\u00dften Sch\u00e4den k\u00f6nnte sie auch Ansto\u00df f\u00fcr interne Reformen werden (\u201eModernisierung wider Willen\u201c, \u201eCollective Self-Reliance\u201c)).<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>In ca. 40 afrikanischen L\u00e4ndern sind Regierungen an der Macht, die aus Eigennutz \u00fcberf\u00e4llige Reformen eher blockieren und kreative einheimische Unternehmerpotentiale unterdr\u00fccken oder aber perspektivlose Jugendliche (oft nach dem Studium) zur Emigration treiben. Regierungen betrachten Emigration ihrer Landsleute nicht selten als Gesch\u00e4ft (Jakob &amp; Schlindwein 2017). Da in Not- und Krisenzeiten Staatsregierungen martialisch aufzutreten pflegen, wurden auch die Protestbewegungen der frustrierten afrikanischen Stadtjugend zun\u00e4chst erstickt \u2013 durch Ausgeh- und Versammlungsverbote. Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie hatten sich das maghrebinische Afrika, das s\u00fcdliche Afrika und Teile Ost- und Westafrikas zu Hauptschaupl\u00e4tzen einer globalen Protestwelle von verzweifelten B\u00fcrgern*innen gegen repressive und inkompetente Regierungssysteme entwickelt. Laut <em>Acled<\/em>, einer US-amerikanischen Forschungseinrichtung, fanden 2019\/2020 etwa 9000 solcher friedlichen Proteste statt \u2013 zwanzig Mal mehr als vor zehn Jahren. In L\u00e4ndern wie \u00c4thiopien, Algerien und Sudan, ferner in Kamerun, Togo, Benin, Gabun, Gambia, Guinea, Burkina Faso, Mali, Nigeria und anderswo demonstrierten frustrierte Menschen gegen ihre wirtschaftspolitisch ineffizienten oder eigenn\u00fctzig handelnden Regierungen. Diejenigen, die in Algier, Conakry, Khartum, Lom\u00e9 etc. auf die Stra\u00dfe gingen, bewiesen dass sie <em>zur Selbsterm\u00e4chtigung<\/em> bereit und f\u00e4hig seien: <em>\u201eSie verdienen Unterst\u00fctzung \u2013 nicht die alte Garde an der Macht, die sich auch dank europ\u00e4ischer Zuwendungen sorglos reproduzieren kann, obwohl sie f\u00fcr das genaue Gegenteil steht von dem, was in Afrika fast alle w\u00fcnschen\u201c (Urecht 2020).<\/em><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Wie k\u00f6nnte eine solche Unterst\u00fctzung aussehen? Beispielsweise hat der Wirtschaftswissenschaftler am Kieler Institut f\u00fcr Weltwirtschaft <em>Rolf Langhammer<\/em> in einer Skizze eines \u201e<em>Reformplans f\u00fcr Afrika<\/em>\u201c vorgeschlagen, \u201einternational finanzierte Reformprojekte in zu gr\u00fcndenden <em>Sonderzonen<\/em> zu bewerben, idealerweise grenz\u00fcberschreitend. In diesen Zonen w\u00fcrden bestehende Gesundheits- und Bildungseinrichtungen materiell und personell gest\u00e4rkt, neue Bewirtschaftungsrechte f\u00fcr Boden gelten, innovative Anbaumethoden eingesetzt und Start-up-Unternehmen, vorzugsweise von Frauen, gef\u00f6rdert, mit dem Ziel, innerafrikanische Lieferketten zu etablieren\u201c (Langhammer 2020). Wie <em>Kappel &amp; Reisen<\/em> am Beispiel der bereits bestehenden (nationalen) SEZ gezeigt haben, sind solche Wirtschaftszonen nicht ohne Probleme (\u201eisolierte Enklaven\u201c; <em>\u201ejobless growth<\/em>\u201c), k\u00f6nnen aber doch bei gesunden Rahmenbedingungen (einschlie\u00dflich zuverl\u00e4ssige Elektrizit\u00e4tsversorgung) ausbauf\u00e4hige Entwicklungsimpulse ausl\u00f6sen (Kappel &amp; Reisen 2019, S. 63).<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Dazu k\u00f6nnte eine seri\u00f6se Wiederbelebung des entwicklungspolitischen Grundsatzes &#8211; <em>Hilfe zur Selbsthilfe<\/em> bzw. <em>Collective<\/em> <em>Self-Reliance<\/em> \u2013 n\u00fctzlich sein, die f\u00fcr die von Arbeits- und Perspektivlosigkeit geplagten Menschen neue Inklusionshoffnungen zeitigen k\u00f6nnte. Die damit verbundene praktische Hinwendung der jungen Schulabg\u00e4nger zur Entwicklung der heimischen Landwirtschaft prim\u00e4r f\u00fcr den Eigenbedarf und dann zur Belieferung von M\u00e4rkten im In- und Ausland w\u00fcrde allerdings eine <em>neue kulturelle Einstellung<\/em> zum Wert der Landarbeit voraussetzen, die der st\u00e4dtischen Jugend oftmals verloren gegangen ist (Smith 2018). In Afrika gibt es weniger ein Erkenntnisdefizit denn ein Handlungsdefizit.<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Zitierte Literatur:<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Abi, Samir. 2020. Bev\u00f6lkerungswachstum: Globale Herausforderung, in: E &amp; Z 2020\/05-06, S. 18-19<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Andersen, Uwe (Hrsg.). 2012. Entwicklungspolitik. Wochenschau-Verlag<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Bass, Hans-Heinrich, Robert Kassel &amp; Karl Wohlmuth, 2016. Ansatzpunkte einer nationalen Besch\u00e4ftigungsstrategie f\u00fcr Tunesien. In: Friedrich-Ebert-Stiftung, Studie, November 2016<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Berliner Institut f\u00fcr Bev\u00f6lkerung und Entwicklung (BIBE)<strong>. <\/strong>2018<strong>. <\/strong>Nahrung, Jobs und Nachhaltigkeit. Was Afrikas Landwirtschaft leisten muss. Berlin<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>BMZ 2020. \u201eReformkonzept BMZ 2030. Umdenken \u2013 Umsteuern\u201c. Berlin<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Braun, Joachim von &amp; Tekalign Sakketa. 2020. Afrika braucht Besch\u00e4ftigungsprogramme. In: E &amp; Z 2020\/05-06, S. 43<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Collier, Paul. Exodus. 2014. Warum wir Einwanderung neu regeln m\u00fcssen. Berlin<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Cremer, Teresa. 2020. Krisen: vom Kopf auf die F\u00fc\u00dfe gestellt. <a href=\"http:\/\/vad-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Afrikapolitisches-Essay-2020_deutsch.pdf?utm_source=mailpoet&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=verleihung-des-vad-preises-fur-das-beste-afrikapolitische-essay-2020_47\">ttp:\/\/vad-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Afrikapolitisches-Essay-h2020_deutsch.pdf?utm_source=mailpoet&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=verleihung-des-vad-preises-fur-das-beste-afrikapolitische-essay-2020_47<\/a><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Dembowski, Hans, 2020. Arbeitsmarkt. Kaum Jobs, Massen junger Leute, in: E &amp; Z 2020, 05\/06, S. 20-21<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Gaisrucker, Florian. 2020. AfDB-Studie: 12 bis 15 Millionen Jobs. In: Entwicklung und Zusammenarbeit. E + Z: Arbeit und Innovation, 2020, 03\/04, S. 25<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Gebauer, Thomas &amp; Ilija Trojanow. 2018. Hilfe? Hilfe! Wege aus der globalen Krise? Frankfurt am Main: Fischer<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Harding, Leonhard.<strong> <\/strong>2020. Mali \u2013 Rebellion, Terror, Heiliger Krieg oder Kampf um bessere Lebensbedingungen? Berlin: Lit<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Jakob, Christian &amp; Simone Schlindwein. 2017. &nbsp;Diktatoren als T\u00fcrsteher Europas. Wie die EU ihre Grenzen nach Afrika verlagert. Ch. Links Verlag<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Kannegie\u00dfer, Christoph, 2020. Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft: Interview mit der Deutschen Welle zur Corona-Pandemie am 13.05.2020<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Kappel, Robert, Birte Pfeiffer, Helmut Rissen<strong>.<\/strong> 2017. Compact with Africa. Fostering Private Long-Term Investment in Africa. DIE Discussion Paper 13\/2017<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Kappel, Robert &amp; Helmut Reisen. 2019. G20 Compact with Africa. The Audacity of Hope.<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Langhammer, Rolf. 2020. \u201cEin Reformplan f\u00fcr Afrika\u201d, in: FAZ vom 30.4.2020<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Lopes, Carlos, 2015. Tunisia\u2019s economic future is in Africa. 16. November 2015; <a href=\"http:\/\/www.uneca.org\/sites-blog\/tunisiaE280%99s-economic\">http:\/\/www.uneca.org\/sites-blog\/tunisiaE280%99s-economic<\/a>-future-africa<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Monga, C. 2019. An African Manifesto, In: C. Monga, A. Shimeless &amp; A. Woldemichael: Creating Decent Jobs. Strategies, Policies and Instruments. African Development Bank policy research document 2, PP. 1 &#8211; 56. <a href=\"https:\/\/am.afdb.org\/sites\/default\/files\/AfDB18-16_Jobs_English.pdf\">https:\/\/am.afdb.org\/sites\/default\/files\/AfDB18-16_Jobs_English.pdf<\/a><\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Melber, Henning (Hrsg.), 2019. Deutschland und Afrika. Anatomie eines komplexen Verh\u00e4ltnisses. Frankfurt am Main<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Moyo, Dambisa. 2009. Dead Aid. London: Penguin<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Sarr, Felwine. 2019. Afrotopia. Berlin: Matthes &amp; Seitz<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Seitz, Volker. 2018. Afrika wird arm regiert. M\u00fcnchen 2018<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Smith, Stephen. 2018. Nach Europa! Das junge Afrika auf dem Weg zum alten Kontinent. Berlin: fotoTAPETA<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Tetzlaff, Rainer. 2018. Afrika. Eine Einf\u00fchrung in Geschichte, Politik und Wirtschaft. Lehrbuch. Wiesbaden VS Springer<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Tetzlaff. Rainer. 2020. \u201eAfrikas wirtschaftliche Zukunft liegt in Afrika. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine kreative Politik der Fluchtursachenbek\u00e4mpfung\u201c, in: Gesellschaft, Wirtschaft, Politik. Sozialwissenschaften f\u00fcr politische Bildung, Verlag Barbara Budrich, 69. Jg., Nr. 1, 2020, S. 59-70<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p>Urech, Fabian<strong>.<\/strong> 2020. \u201eNirgends gab es vor Corona mehr Proteste als in Afrika \u2013 nun wird das Virus zum Brandbeschleuniger der Wut, in: Neue Z\u00fcrcher Zeitung vom 8.4.2020<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:separator -->\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n<!-- \/divi:separator -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Von den 12 L\u00e4ndern, die im Rahmen des \u201eG20 Compact with Africa\u201c als zu bevorzugende Partnerl\u00e4nder gef\u00f6rdert werden sollen (Benin, Burkina Faso, Elfenbeink\u00fcste, \u00c4gypten, \u00c4thiopien, Ghana, Guinea, Marokko, Ruanda, Senegal, Togo und Tunesien), geh\u00f6ren sechs in diese Gruppe der Best Performer und drei (Ruanda,&nbsp; \u00c4thiopien und \u00c4gypten) in die Gruppe der Entwicklungsdiktaturen. Togo hat hier eigentlich nichts zu suchen!<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->\n\n<!-- divi:paragraph -->\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Die deutsche Mali-Politik tr\u00e4gt Z\u00fcge von Realit\u00e4tsverlust, wenn man die Bundestagsdebatte \u00fcber die Fortsetzung des Bundeswehreinsatzes EUTM Mali am 13. Mai 2020 zugrunde legt. Der einzig kritische Debattenbeitrag kam ausgerechnet von Prof. Dr. Lothar Maier, AfD, Landesliste Baden-W\u00fcrttemberg : \u201eOhne politische Beteiligung\u201c der Bev\u00f6lkerung in den bislang politisch marginalisierten und wirtschaftlich vernachl\u00e4ssigten Regionen des Nordens und der Mitte sei der milit\u00e4rische Einsatz \u2013 jetzt im siebten Jahr ohne Erfolge \u2013\u201e nicht zu verantworten\u201c. Das Parlament. Debatten-Dokumentation, Berlin 13.5.2020, S. 2; Bernd Ulrich: \u201ePasst nicht\u201c, in: Die Zeit vom 30.01.2020, S. 3<\/p>\n<!-- \/divi:paragraph -->[\/et_pb_text][\/et_pb_column]\n\t\t[\/et_pb_row]\n\t[\/et_pb_section]\n\n\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Afrika in Corona-Zeiten. Feststellungen und Thesen Feststellung: Infolge der Corona-Pandemie wird sich das wirtschaftliche Wachstum verlangsamen, in einigen Export-abh\u00e4ngigen Branchen wird es drastisch abnehmen. Bisher sind ca. 53.000 Afrikaner*Afrikanerinnen an COVID19 erkrankt und nur wenige Tausende gestorben &#8211; nach offiziellen Meldungen (die Dunkelziffern d\u00fcrften ein Mehrfaches betragen; AFP&#8211;Bericht von Anfang Mai 2020). 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Nach WHO-Berechnungen breitet sich in Afrika das Corona-Virus zwar langsamer aus als in L\u00e4ndern mit durchschnittlich \u00e4lterer Bev\u00f6lkerung; aber gleichwohl k\u00f6nnten sich im Jahr 2020 bis zu 44 Millionen Menschen mit dem Virus in Afrika infizieren, und 190.000 Menschen k\u00f6nnten im ersten Jahr sterben (Report des WHO-Regionalb\u00fcro Brazzaville, laut AFP\/taz-Meldung, 25.05.2020). \u201eEs ist sehr unterschiedlich, auf welche Weise Menschen von der Pandemie betroffen sind, je nach Klasse, <em>race,<\/em> Geschlecht, Religion und auch politischer Einstellung. Die Infragestellung des Status quo der Krisenproduktion ist die Voraussetzung, eine gleichberechtigtere und integrative Debatte \u00fcber Krisen zu gew\u00e4hrleisten\u201c \u2013 mahnte die Ethnologin <em>Teresa Cremer <\/em>(Cremer 2020).<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Nach einer Studie der <em>Afrikanischen Union<\/em> vom April 2020 wird sich Afrikas wirtschaftliche Wachstum infolge der Corona-Pandemie um 0,8% oder um 1,1% abschw\u00e4chen. Auch vor Ausbruch der Corona-Pandemie befand sich die Mehrheit der afrikanischen L\u00e4nder in einem <em>wirtschaftlichen Abw\u00e4rtstrend:<\/em> W\u00e4hrend in der Periode zwischen 2004 und 2008 das j\u00e4hrliche Pro-Kopf-Einkommen noch real um 4% gewachsen war, wurde im Zeitraum 2009 bis 2018 nur noch ein Wachstum von 1,7 % erzielt. Gleichzeitig stieg die <em>Verschuldung<\/em> von 19% Anteil am BIP auf 24% im Jahr 2018. Fast alle L\u00e4nder hatten also schon vor Ausbruch der Corona-Pandemie einen erh\u00f6hten <em>Kapitalbedarf,<\/em> der nur ungen\u00fcgend durch Ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen (FDI) gedeckt werden konnte. Das Wirtschaftswachstum wird sich in zahlreichen Branchen verlangsamen oder sogar umkehren (Tourismus-Branche; Blumen- und Gem\u00fcseexporte; \u00d6l- und Erdgasausfuhren etc.), und vor allem in den L\u00e4ndern mit schwachem Binnenmarkt oder gro\u00dfer Auslandsabh\u00e4ngigkeit.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>2. <em>Feststellung: Neue Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr Afrikas Jugend werden nur zum geringen Teil durch Migration im Ausland entstehen k\u00f6nnen, gro\u00dfen Teils hingegen im Inland in formellen und informellen Wirtschaftssektoren entstehen (m\u00fcssen).<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Auch bei optimistischer Annahme, dass j\u00e4hrlich einige Millionen Afrikaner*innen nach Europa und in den Nahen Osten <em>emigrieren <\/em>k\u00f6nnten (Jakob &amp; Schlindwein 2017; Smith 2018; Collier 2014), wird die <em>wirtschaftliche Zukunft der afrikanischen Jugend<\/em> haupts\u00e4chlich <em>nicht<\/em> in der dauerhaften Auswanderung liegen k\u00f6nnen, sondern in den zu modernisierenden Wirtschaftsr\u00e4umen des afrikanischen Kontinents, soll nicht der Gro\u00dfteil der Erwerbsbev\u00f6lkerung wie bisher in den <em>informellen <\/em>Wirtschaftssektoren auf Subsistenzniveau verbleiben. Der Anteil von <em>formellen Arbeitsverh\u00e4ltnissen<\/em> bei Staat und Privatwirtschaft betr\u00e4gt meistens unter 10% der Erwerbsbev\u00f6lkerung, nicht selten sogar unter 5% (Kappel &amp; Reisen 2029, S. 40). Von den gesch\u00e4tzt 20 Millionen Jugendlichen, die allj\u00e4hrlich die Schulen in Afrika s\u00fcdlich der Sahara (ASS) verlassen (laut BMZ--- \u2018Marshall-Plan\u2018 mit Afrika 2017), werden kaum mehr als insgesamt drei Millionen im <em>formellen Sektor<\/em> ihres jeweiligen Heimatlandes eine Anstellung finden k\u00f6nnen, d. h. in Ministerien, Wirtschafts- &amp; Dienstleistungsunternehmen sowie bei Armee und Polizei. Sie werden jeweils die \u00e4lteren Job-Inhaber abl\u00f6sen. Kaum mehr als \u2013 optimistisch betrachtet - zwei Millionen junge Afrikaner*innen werden bei den 10.000 gro\u00dfen und kleinen <em>chinesischen Unternehmen<\/em>, die heute in Afrika unterwegs sind, direkt und indirekt einen Job finden k\u00f6nnen. Die&nbsp; 850 <em>deutschen Unternehmen<\/em>, die zurzeit in Afrika im Einsatz sind und die etwa 200.000 Afrikaner besch\u00e4ftigen, k\u00f6nnen \u00fcber staatliche F\u00f6rderprogramme (z. B. infolge des <em>Fachkr\u00e4fteeinwanderungsgesetzes<\/em> von 2020 oder durch Hermes-B\u00fcrgschaften) sowie mit Hilfe intelligenter <em>Migrations- und Ausbildungspartnerschaften<\/em> mit den bisher zw\u00f6lf afrikanischen Reforml\u00e4ndern in naher Zukunft kaum mehr als noch einmal so viele Menschen in Lohn und Brot bringen (weitere 200.000; alle Zahlen aus Tetzlaff 2020).<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Vor diesem Hintergrund wirkt der vage BMZ-Plan \u201e<em>Special Initiative for Training and Employment 2020\u201c<\/em>, in den n\u00e4chsten Jahren 100.000 Jobs zu schaffen und 30.000 Ausbildungspl\u00e4tze bereitzustellen (Kappel &amp; Reisen 2019, S. 52), kaum mehr als der ber\u00fchmte Tropfen auf dem hei\u00dfen Stein. Wenn sich Frankreich, England, Indien, Brasilien&nbsp; sowie andere Handelspartner Afrikas ebenso A<em>rbeitsplatz-aktiv<\/em> verhalten w\u00fcrden wie es Deutschland versprochen hat zu tun, k\u00f6nnten durch begleitende ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen und faire Handelsabkommen insgesamt sch\u00e4tzungsweise maximal weitere zwei Millionen Arbeitspl\u00e4tze f\u00fcr Afrikaner*innen entstehen (Tetzlaff 2020). Andere Sch\u00e4tzungen sprechen von 600.000 Jobs, die durch FDIs in Afrikas St\u00e4dten entstanden sind (Kappel et al. 2017, S. 41) \u2013 auch sie hoch willkommen, aber keine L\u00f6sung des Job-Problems, angesichts eines gesch\u00e4tzten Bedarfs an neuen Arbeitspl\u00e4tzen bis zum Jahr 2030 von etwa 500 Millionen (= knapp 30% der Gesamtbev\u00f6lkerung von 1,7 Mrd. Menschen; Kappel et al 2017, S, 41).<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Folglich fehlt momentan \u2013 wenn alles so weiter liefe wie bisher \u2013 \u201ef\u00fcr zwei Drittel der afrikanischen Jugend\u201c eine befriedigende Erwerbsperspektive (so auch Chef-\u00d6konom <em>Monga<\/em> von der AfDB; Dembowski 2020). Hinzukommen die zu erwartenden Verluste an Arbeitspl\u00e4tzen als Folge der Corona-Pandemie \u2013 etwa 20 Millionen nach Angaben von ILO und WHO (<em>Interview mit Rolf Kappel in \u201emakro\u201c am 19.5.2020: \u201eCorona erreicht Afrika\u201c)<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>3. <em>Feststellung: Die Corona-Pandemie versch\u00e4rft das Problem der Nahrungsmittel-Erzeugung und -Versorgung, und der Hunger wird in den Mega-Cities dramatisch zunehmen, vor allem f\u00fcr Menschen in den informellen Wirtschaftssektoren<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Afrika als Agrarkontinent mit gro\u00dfem nicht produktiv genutzten Fl\u00e4chen importiert bis zu 80% seiner ben\u00f6tigten Nahrungsmittel von anderen L\u00e4ndern, was viele Milliarden Dollar an Devisen kostet, - Gelder, die besser produktiv investiert werden sollten. Das <em>Berlin-Institut f\u00fcr Bev\u00f6lkerung und Entwicklung<\/em> hat in einer aktuellen Studie <em>\u201eNahrung, Jobs und Nachhaltigkeit. Was Afrikas Landwirtschaft leisten muss<\/em>\u201c (Berlin 2018) aufgezeigt, wie auch Methoden der \u201aGr\u00fcnen Revolution\u2018 und der \u201a<em>sustainable intensification<\/em>\u2018 (nachhaltige Intensivierung) dazu beitragen k\u00f6nnen, einen produktiven Agrarsektor zum Entwicklungsmotor zu machen (was auch der historischen Erfahrung in Westeuropa entsprechen w\u00fcrde).<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Die Dringlichkeit einer Agrarwende liegt auf der Hand: Am Ende des Jahres 2020 k\u00f6nnten 265 Millionen Afrikaner*innen \u201eam Rande des Hungertodes\u201c stehen (so WFP-Pr\u00e4sident <em>David Beasley<\/em> im April 2020). In neun ostafrikanischen L\u00e4ndern k\u00f6nnte sich die Zahl der Hungernden von heute 20 Millionen auf 43 Millionen mehr als verdoppeln. Auch Burkina Faso, S\u00fcdsudan, die Zentralafrikanische Republik, Simbabwe, \u00c4thiopien und Nordostnigeria (acht Mio. Bewohner von Borneo State) seien auf <em>Nahrungsmittelnothilfe<\/em> angewiesen \u2013 insgesamt \u201eungef\u00e4hr 100 Millionen Menschen\u201c, wof\u00fcr die WFP-Direktion 14 Mrd. US $ bis Ende 2020 brauchen w\u00fcrde - Gelder die nun nicht mehr gespendet w\u00fcrden, \u201ew\u00e4hrend reiche L\u00e4nder zur Stimulierung ihrer nationalen Wirtschaftsprogramme etwa 5 Billionen US-Dollar ausgeben w\u00fcrden\u201c (<em>Africa Confidential, vol. 61, Nr. 10, May 2020, S. 3)<\/em>.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Als weitere Folge der Corona-Pandemie beklagt die FAO-Direktion den Kontinent-weiten <em>R\u00fcckgang des Handels<\/em> <em>mit Nahrungsmitteln<\/em>, <em>Saatgut, D\u00fcngemitteln, Agro-Chemikalien<\/em> (z. B. zur Bek\u00e4mpfung der Heuschreckenplage) und von Erd\u00f6l- und Erdgas (infolge des dramatischen Preisverfalls), so dass die afrikanischen Farmer und Kleinbauern kaum noch in der Lage seien, ohne Hilfe ihre Felder bestellen zu k\u00f6nnen. Da <em>Reisimporte <\/em>aus zwei der wichtigsten Lieferl\u00e4ndern, n\u00e4mlich Kambodscha und Vietnam, wegen dortiger Exportverbote kaum noch nach Afrika gelangen \u2013 wobei Afrika j\u00e4hrlich f\u00fcr 4,5 Mrd. US $ Reis zu importieren gewohnt war -, dr\u00e4ngt die FAO afrikanische Regierungen dazu, der Eigenproduktion von Nahrungsmitteln endlich h\u00f6chste Priorit\u00e4t einzur\u00e4umen (<em>Africa Confidential, vol. 61, Nr. 10, May 2020, S. 4).<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>4. <em>Feststellung: Der Klimawandel beg\u00fcnstigt Landflucht, Urbanisierung und Gesundheitsgef\u00e4hrdung der Bev\u00f6lkerung und erschwert so den Ausweg aus dem \u201aTeufelskreis der Armut\u2018<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Erfreulicherweise konnte die <em>Armut<\/em> in einigen L\u00e4ndern (wie Marokko, Botswana, Ghana, Kenia, \u00c4thiopien oder Senegal) in den vergangenen Jahren gesenkt werden, aber das zentrale Ziel der <em>UN Millenniums Development Goals<\/em> von 2000 \u2013 die Halbierung der Armutsquote -&nbsp; wurde in Subsahara-Afrika klar verfehlt: Noch immer leben ca. 45% bis 49% der Afrikaner*innen (ca. 540 Mio. bis 590 Mio.) unterhalb der Armutsgrenze. Unter den zahlreichen Ursachen dieses komplexen Problems rangiert das <em>relative Bev\u00f6lkerungswachstum<\/em> \u2013 relativ im Verh\u00e4ltnis zu wirtschaftlichem Wachstum und Produktivit\u00e4t der Volkswirtschaft -&nbsp; an erster Stelle (Abi 2020). W\u00e4hrend das wirtschaftliche Wachstum pro Kopf j\u00e4hrlich um ca. 2% zunahm, wuchs die Bev\u00f6lkerung um ca. 2,7% (Zahlen nach Tetzlaff 2018, S. 320; BIBE 2020), so dass es zu einem Mangel an selbst akkumuliertem Investitionskapital kommen musste.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Eine weitere Ursache f\u00fcr die Zunahme von Hunger, Arbeitslosigkeit und Armut ist der <em>Klimawandel<\/em>. \u201e<em>Er ist l\u00e4ngst die \u00dcberlebensfrage der Menschheit. B\u00f6den verdorren, Wasserreserven gehen rapide zur\u00fcck, Wetterextreme nehmen zu. Experten rechnen mit 85 Millionen Klimafl\u00fcchtlingen in Afrika bis 2050\u201c<\/em> (BMZ 2020). Die WHO bef\u00fcrchtet, dass sich in K\u00fcrze die Zahl der <em>Malaria-Toten<\/em> von rund 400 000 j\u00e4hrlich auf fast 800 000 erh\u00f6hen k\u00f6nnte \u2013 wegen logistischer Engp\u00e4sse und steigender Transportkosten (Thilo Thielke in FAZ vom 7.5.2020, S. 10). Die internationale Nahrungsmittelhilfe (FAO, WHH, IBRD, Brot f\u00fcr die Welt etc.) reicht schon heute nicht mehr, den auch global gestiegenen Bedarf auch nur ann\u00e4hernd zu decken. Dazu versch\u00e4rft der Corona-bedingte R\u00fcckgang der <em>Remittances<\/em> \u2013 bisher j\u00e4hrlich zwischen 50 und 100 Mrd. US $ - die Versorgungslage in zahlreichen L\u00e4ndern mit Grundnahrungsmitteln, weil die Kaufkraft schwindet. Auch die <em>Diaspora-Gemeinden<\/em> in Deutschland und anderswo sind Opfer der Corona-Pandemie und werden wohl vergeblich auf Unterst\u00fctzung warten.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>In zahlreichen L\u00e4ndern Afrikas besteht so ein <em>Teufelskreis der Armut <\/em>\u2013 strukturelle Armut f\u00f6rdert Krankheiten (und umgekehrt) und beg\u00fcnstigt sowohl Arbeitslosigkeit als auch Bildungsdefizite (prim\u00e4r bei Frauen), die wiederum zusammen weitere Armut, Ern\u00e4hrungs-Unsicherheit sowie mangelnde Einkommensm\u00f6glichkeiten (und ungewolltes Bev\u00f6lkerungswachstum) als unerw\u00fcnschte Folgen haben. Massive Investitionen aus dem In- und Ausland in die marode bzw. unentwickelte Infrastruktur k\u00f6nnte einen Ausweg er\u00f6ffnen (Jeffry Sachs-Programm), aber heute schon betr\u00e4gt die <em>Finanzierungsl\u00fccke<\/em> bei notwendigen <em>Infrastruktur<\/em> \u2013Investitionen in Subsahara-Afrika 30 Mrd. US $ j\u00e4hrlich; die L\u00fccke an Investitionen f\u00fcr kleine und mittelgro\u00dfe Unternehmen im formalen Sektor (SME) wird mit ca. 70 bis 90 Mrd. US $ j\u00e4hrlich veranschlagt (<em>Kappel u.a. 2017, S. 44<\/em>). Es Ist kaum damit zu rechnen, dass die OECD-L\u00e4nder angesichts hoher Schuldenberge \u00a0und eigener Corona-bedingter finanzieller und logistischer Engp\u00e4sse in den n\u00e4chsten Jahren diese Kapitall\u00fccken werden schlie\u00dfen k\u00f6nnen, selbst wenn sie wollten. Nicht auszuschlie\u00dfen ist, dass die <em>Volksrepublik China<\/em> versuchen wird, ihr 2020 entstandenes Negativ-Image als rassistische Gesellschaft, die afrikanische Arbeiter, Unternehmer und Studenten in China w\u00e4hrend der Corona-Krise zuweilen absch\u00e4tzig behandelte, durch umfangreiche Investitionen und Geldtransfers aufzubessern.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>5. <em>Feststellung: Ausl\u00e4ndische Direktinvestitionen (FDI) konzentrierten sich lange auf wenige Rohstoffl\u00e4nder; Initiativen zur Diversifizierung der Wirtschaft beg\u00fcnstigen das Wachstum von st\u00e4dtischen Konsumm\u00e4rkten<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Die FDI-Zufl\u00fcsse nach Afrika waren von 9,7 Mrd. US $ im Jahr 2000 auf 54 Mrd. US $ im Jahr 2015 gestiegen, allerdings konzentriert auf wenige Rohstoffl\u00e4nder, darunter die \u00d6lexportl\u00e4nder Angola, Kongo-Brazzaville, Nigeria und Sudan. Zu den zehn Top-L\u00e4ndern mit den meisten <em>FDI-Projekten<\/em>, die der Diversifizierung und Industrialisierung dienen, geh\u00f6ren 2015 \u00c4gypten. \u00c4thiopien, Elfenbeink\u00fcste, Ghana, Kenia, Marokko, Mosambik, Nigeria, S\u00fcdafrika und Uganda (nach <em>Kappel et al. 2017, S. 27<\/em>). Der j\u00fcngste Trend zeigt aber deutlich eine Erweiterung des Empf\u00e4ngerspektrums auch auf L\u00e4nder mit wachsender <em>Mittelschicht<\/em> (einer <em>floating class<\/em>, die bereits heute, bei optimistischer Annahme, bei Wachstumsl\u00e4ndern bis zu einem Drittel der Gesamtbev\u00f6lkerung betragen kann).<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><em>Deutsche Afrika-Firmen<\/em> haben bisher nur ein geringes Investitions-Volumen erreicht (mit 200.000 geschaffenen Arbeitspl\u00e4tzen vor Ort), weil die afrikanischen M\u00e4rkte klein und die unternehmerischen Risiken auf Grund des nicht sehr marktfreundlichen Investitionsklimas gro\u00df sind. Au\u00dferdem wirkt die defizit\u00e4re Infrastruktur (Energieversorgung, Zustand der Verkehrswege, b\u00fcrokratische H\u00fcrden; unterentwickelter Banksektor) eher abschreckend als einladend. Seit der 2018 begonnenen <em>Compact with Africa<\/em>-Diplomatie der G20-Staaten, einschlie\u00dflich der aktiven Rolle der deutschen Bundesregierung, sind Bestrebungen im Gange, in <em>L\u00e4ndern mit reformorientierten Regierungen <\/em>Wandel durch Investitionen, Migrationspartnerschaften&nbsp; und Handelserleichterungen zu schaffen (<em>N\u00e4heres dazu bei Kappel &amp; Reisen 2019)<\/em>.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Auch die gro\u00dfe Zahl an <em>Nicht-Regierungsorganisationen<\/em> (NRO), kirchlichen Vereinen und <em>Kommunen<\/em> (der EU-L\u00e4nder), die nicht nur in Reforml\u00e4ndern, sondern auch in \u201aFassendemokratien\u2018 und \u201afailed states\u2018 unter schwierigsten Bedingungen aktiv sind, k\u00f6nnen nur einen kleinen Beitrag zur L\u00f6sung des Job-Problems erbringen, - unter anderem auch dadurch, dass sie mithelfen, in den Heimatl\u00e4ndern nach dauerhaften Einkommensm\u00f6glichkeiten zu suchen oder solche zu schaffen (Nat\u00fcrlich dient auch ihr Einsatz indirekt dem Ziel, junge Menschen von der risikoreichen Migration abzuhalten).<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>6. <em>Feststellung:<\/em> <em>Das Auseinanderdriften Afrikas in L\u00e4nder mit und ohne Reformdynamik \u2013 die Kontinent-weite Diversifizierung und Spaltung -\u00a0 nimmt weiter zu.<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Neben einer Gruppe von etwa <em>zehn wirtschaftlich und politisch relativ erfolgreichen Reforml\u00e4ndern<a href=\"#_ftn1\"><strong>[1]<\/strong><\/a><\/em><strong> (<\/strong>Mauritius, Botswana, Namibia; Kap Verde, Ghana, Burkina Faso, Senegal, Elfenbeink\u00fcste; Tunesien und Marokko), gibt es die etwa gleichgro\u00dfe L\u00e4ndergruppe der <em>Staatszerfalls-L\u00e4nder<\/em> (<em>failing states<\/em>), - darunter Somalia, S\u00fcdsudan, Simbabwe, Burundi, DR Kongo, Tschad, Mali, Nord-Nigeria und Libyen. In diesen von staatlicher Misswirtschaft oder von B\u00fcrgerkriegs-Parteien, ethnischen Milizen und Dschihadisten heimgesuchten L\u00e4ndern sind weder durch klassische Entwicklungshilfe (Projekthilfe, Budgethilfe) noch mittels ausl\u00e4ndischer Direktinvestitionen nachhaltige Fortschritte zu erwarten. Hier ist h\u00f6chstens politische <em>Stabilisierung <\/em>der Institutionen des Kernstaates (<em>state-building<\/em>) von innen und au\u00dfen das einzig realistische&nbsp; Kooperationsziel \u2013 abgesehen vom Einsatz der NGOs unterhalb der staatlichen Kooperationsebene.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Zur Zeit ist <em>Mali<\/em> das Land, in dem ca. 1400 Soldaten und Milit\u00e4rausbilder aus westlichen L\u00e4ndern seit sieben Jahren versuchen, die \u201aSomaliaisierung\u2018 oder \u201aAfghanistanisierung\u2018 des Vielv\u00f6lkerstaates zu vermeiden - angesichts einer eher reformresistenten, ethnisch nicht balancierten Regierung eine Sysiphus-Aufgabe (Harding 2020). Die externe Milit\u00e4rintervention (plus Armeeausbildung) ist wohl vor\u00fcbergehend als unvermeidbar anzusehen, erscheint aber gleichwohl ohne Aussicht auf dauerhafte Konsolidierung<a href=\"#_ftn2\">[2]<\/a>.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>7. <em>Feststellung: Entwicklungserfolge sind abh\u00e4ngig von einer politisch ambitionierten Staatsf\u00fchrung (im Sinne der \u201adevelopmental state\u2018-Theorie): \u00c4thiopien, Ruanda etc.<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Zwischen den beiden <em>Governance<\/em>-Polen (Demokratie und Staatszerfall) l\u00e4sst sich als eine <em>dritte Gruppe<\/em> mit etwa drei\u00dfig L\u00e4ndern Staaten ausmachen, denen fehlende Reformbereitschaft auf Seiten der Regierung, endemische Korruption im Verwaltungsapparat und Unterversorgung der Bev\u00f6lkerung mit \u00f6ffentlichen G\u00fctern (Bildung, Gesundheit, Sicherheit) gemeinsam ist. Sie werden oftmals als <em>\u201eFassaden-Demokratien\u201c<\/em> oder \u201e<em>Kleptokratien\u2018<\/em>\u201c bezeichnet. Hier sind \u2013 nicht zuletzt auf Grund des wachsenden Bev\u00f6lkerungsdrucks \u2013 \u00dcberlebensk\u00e4mpfe zwischen rivalisierenden ethnisch-regionalen Gruppen um knapper werdende Ressourcen wie Ackerland, Weiden, Oasen, Flusswasser, Stipendien und Jobs an der Tagesordnung. Hier zu helfen, w\u00e4re besonders dringlich, ist aber aus politischen Gr\u00fcnden ziemlich aussichtslos; denn es handelt sich um Regierungen, die \u201eReformen\u201c versprechen, diese aber nie ins Werk setzen, aus Angst, die Kontrolle \u00fcber den sozio-\u00f6konomischen Wandel zu verlieren.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Ferner kann <em>viertens<\/em> noch eine kleine L\u00e4ndergruppe von wirtschaftlich erfolgreichen <em>\u201eEntwicklungsdiktaturen<\/em>\u201c identifiziert werden, deren Regierungen im Sinne der Theorie des <em>developmental state<\/em> durch entwicklungspolitische Leistungen (anstelle von freien und fairen Wahlen) Herrschaftslegitimation zu erlangen suchen \u2013 mit fast allen zu Gebote stehenden Mitteln (nach singapurischem oder chinesischem Vorbild). Im Unterschied zu <em>S\u00fcdafrika und Nigeria<\/em> als den beiden wirtschaftlichen Schwergewichten des Kontinents, die seit einigen Jahren allerdings \u201eschlecht regiert\u201c werden (Seitz 20018) und als Entwicklungsmotoren ausfallen (Tetzlaff 2028), geh\u00f6ren dazu <em>\u00c4thiopien und Ruanda, <\/em>sowie ansatzweise auch<em> \u00c4gypten, Kenia und Uganda<\/em>. Hier sind erste bemerkenswerte Fortschritte auf den Gebieten der <em>Bev\u00f6lkerungspolitik,<\/em> der <em>Familienplanung und der Schulbildung<\/em> <em>von M\u00e4dchen und Frauen<\/em> gemacht worden, d. h. in den Bereichen, die theoretisch den gr\u00f6\u00dften Nutzen <em>im Kampf gegen Armut, Fatalismus, Fehlern\u00e4hrung und Armutsmigration<\/em> erbringen (BIBE 2018). Ob die von oben angeordneten Reformen auch langfristig Bestand haben, steht in den Sternen \u2013 ihre Institutionalisierung muss noch vertieft werden -, aber sie verdienen als Wachstums- und Job-Motoren externe Unterst\u00fctzung, gem\u00e4\u00df der Logik, Wandel durch Handel.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>8. <em>Feststellung: Die Entwicklungshilfe-Politik Deutschlands \u2013 bisher auf Systemebene relativ wirkungslos \u2013 wird selektiver und auf das Ziel der Stabilisierung reformwilliger Regierungen ausgerichtet.<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Die M\u00f6glichkeiten, mittels ODA-Mitteln von au\u00dfen Entwicklung in afrikanischen L\u00e4ndern positiv zu beeinflussen, sind begrenzter als oft auf Geberseite zugegeben wird (Andersen 2012; Moyo 2009; Gebauer &amp; Trojanow 2018). Hier herrscht oftmals Realit\u00e4tsverlust, der sich in der notd\u00fcrftig verschleierten Differenz zwischen politischer Rhetorik und politischer Wirkung widerspiegelt: Man verspricht als relativ unscheinbarer nationaler Akteur (deren Fachministerien untereinander nicht selten unterschiedliche Interessen vertreten) Wandel, den man aber allein \u2013 ohne die anderen EU-Mitgliedsl\u00e4nder \u2013 niemals erfolgreich ins Werk setzen k\u00f6nnte, weil dazu das n\u00f6tige <em>politische leverage<\/em> fehlt, um sachfremde Widerst\u00e4nde zu \u00fcberwinden. Nur allzu h\u00e4ufig praktiziert eine afrikanische Regierung als Repr\u00e4sentantin eines formal souver\u00e4nen Staates ihr Recht auf Verweigerung der gew\u00fcnschten Entwicklungskooperation: H\u00e4ufig blockiert die enge Verflechtung der gro\u00dfen der gro\u00dfen stattlichen, privaten und privatisierten Unternehmen mit der von au\u00dfen alimentierten postkolonialen Staatsklasse \u2013 verflochten \u201edurch Korruption, Ausschaltung des Wettbewerbs, G\u00e4ngelung, \u00dcber-Regulierung, willk\u00fcrliche Besteuerung, politische N\u00e4he und Intransparenz\u201c (Bass, Kappel &amp; Reisen 2916, S. 15) \u2013 notwendige Strukturreformen und somit m\u00f6gliche Entwicklungserfolge. Regierungen geht es eher um Machterhalt, wozu kurzfristig Staatsrevenuen eingesetzt werden (zur Alimentierung ihrer Klientelgruppen), als um Strukturreformen, die erst langfristig Fr\u00fcchte bringen und dem politischen Rivalen n\u00fctzen k\u00f6nnten. ODA-Mittel, vorgesehen f\u00fcr produktive Zwecke in Nicht-Demokratien, sind \u201afungibel\u2018.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Im Mai 2020 verk\u00fcndete der Bundesminister f\u00fcr wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung <em>Gerd M\u00fcller<\/em> die <em>Abkehr vom Gie\u00dfkannenprinzip<\/em> und eine Fokussierung der Mittel auf reformwillige L\u00e4nder. Das ist zu begr\u00fc\u00dfen, irritierend wirkt dabei, dass diese Politik mit den anderen EU-L\u00e4ndern nicht abgestimmt zu sein scheint. Auf der Liste der L\u00e4nder, deren Regierungen zuk\u00fcnftig nicht mehr mit deutschen ODA-Leistungen bedacht werden sollen, sind nur vier afrikanische L\u00e4nder platziert, n\u00e4mlich Burundi, Sierra Leone, Liberia und Sierra Leone (alles L\u00e4nder mit hohen <em>Transparency International <\/em>\u2013 Korruptionsindex-R\u00e4ngen: 165, 130, 137 und 119). Auf der Ausstiegsliste fehlen aber hoch korrupte L\u00e4nder wie DR Kongo (TI-Index-Rang 168), Kongo-Brazzaville (165), Tschad (162), Kamerun (153) und vor allem Mosambik, ein Zentrum des globalen Heroinhandels (153) (Seitz 2020).<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Das aktuelle Reformkonzept des BMZ 2020 beruht auf folgenden, durchaus begr\u00fc\u00dfenswerten <em>vier Prinzipien<\/em>, <em>\u201eS\u00e4ulen<\/em>\u201c genannt: <em>Erstens:<\/em> \u201eUnsere Partnerl\u00e4nder m\u00fcssen selbst mehr leisten! Eigeninitiative ist der Schl\u00fcssel zur Entwicklung\u201c. <em>Zweitens<\/em>: Ausbau der \u201eReformpartnerschaften\u201c durch zus\u00e4tzliche Mittel. <em>Drittens<\/em>: F\u00f6rderung der Privatinvestitionen, insbesondere von Mittelst\u00e4ndlern. <em>Viertens:<\/em> \u201eWir m\u00fcssen fairen Handel erm\u00f6glichen. Damit l\u00f6sen wir die gr\u00f6\u00dften Entwicklungsspr\u00fcnge aus\u201c (BMZ 2020). Damit verweist das BMZ auf die unerfreuliche Tatsache, dass der Handel zwischen Deutschland und den afrikanischen L\u00e4ndern seit Jahren r\u00fcckl\u00e4ufig ist (vor allem Abnahme der afrikanischen Exporte) und sich strukturell kaum ver\u00e4ndert hat: noch immer exportieren afrikanischen L\u00e4nder zu ca. 80% unverarbeitete Rohstoffe (Tetzlaff 2020) und sind kaum in internationale Wertsch\u00f6pfungsketten eingebunden (<em>Christoph Kannegie\u00dfer, Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft im Interview mit der Deutschen Welle am 13.05.2020).<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><em>Es folgen nun f\u00fcnf Thesen oder Vorschl\u00e4ge zur Entwicklung afrikanischer L\u00e4nder.<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><em>These 1: Eine Kernthese dieser Abhandlung besteht in der Annahme, dass f\u00fcr die afrikanische Jugend die Aussicht auf ein Arbeitsleben jenseits von Armut, Abh\u00e4ngigkeit und Perspektivlosigkeit haupts\u00e4chlich in Afrika, und nur zum kleinen Teil im Ausland und in der Diaspora, liegen kann, - wenigstens langfristig.<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>An diesem Fernziel sollte sich auch die Entwicklungshilfepolitik der OECD-Staaten sowie die <em>Compact with Africa<\/em>-Diplomatie orientieren, - wohl bedenkend, dass diese Grundeinstellung auch auf starken Wiederstand seitens der beharrenden Status-quo-Kr\u00e4fte sto\u00dfen wird. Sechzig Jahre internationale Entwicklungszusammenarbeit \u2013 mit 135 Mrd. US $ j\u00e4hrlicher Hilfe aus OECD-L\u00e4ndern (Gebauer &amp; Trojanow 2018, S. 19) - hat vielerorts in Afrika das Bewusstsein f\u00fcr den <em>Wert der Eigenleistung<\/em> verk\u00fcmmern lassen. Dagegen rebellieren nun frustrierte Jugendliche in Afrikas St\u00e4dten und einige Repr\u00e4sentanten der afrikanischen Kultureliten wie beispielsweise die afrikanischen Autoren und \u201aInfluencer\u2018 <em>Moeletsi Mbeki, Ngugi wa Thiong\u2019o, Wole Soyinka, Chimamanda Ngozi Adichie, Achielle Mbembe und Felwine Sarr<\/em>. Die Schaffung von <em>nachhaltigen Arbeitspl\u00e4tzen auf breiter sozialer Basis in funktionierenden Demokratien<\/em> kann als prim\u00e4res Entwicklungsziel der Reformer angesehen werden.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><em>These 2:<\/em> <em>Eine nachhaltige Entwicklungsstrategie sollte aus einer je spezifischen Kombination von drei Entwicklungskomponenten bestehen \u2013 bei Priorit\u00e4t f\u00fcr Steigerung der Agrarproduktivit\u00e4t: Die notwendige Agrarmodernisierung, inklusive Bodenbesitzreform, k\u00f6nnte die Basis f\u00fcr industriell verarbeitete Rohstoffe (Agro-Industrien) liefern, was mit &nbsp;sozial breit angelegten Investitionen in \u201ahuman capital\u2018, d. h. in Bildung und Gesundheit, einschlie\u00dflich Familienplanung, verbunden werden m\u00fcsste (inklusives Entwicklungs-Konzept).<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Die Vorrangigkeit der Eigenversorgung der Bev\u00f6lkerung mit lokal produzierten Lebensmitteln \u2013 beschleunigt durch die Corona-Pandemie \u2013&nbsp; l\u00e4sst die Notwendigkeit einer Bodenrechtsreform (Abschaffung des Staatsbesitzmonopols) sowie des Ausbaus marktkonformer Infrastruktur-Investitionen (Stra\u00dfenbau, Energieversorgung, Markthallen, Kreditsystemen) als vern\u00fcnftig erscheinen. Das <em>Berlin-Institut f\u00fcr Bev\u00f6lkerung und Entwicklung<\/em> (BIBE) hat in seiner Studie <em>\u201eNahrung, Jobs und Nachhaltigkeit. Was Afrikas Landwirtschaft leisten muss<\/em>\u201c (Berlin 2018) aufgezeigt, wie Methoden der \u201aGr\u00fcnen Revolution\u2018 und der <em>sustainable intensification<\/em> (nachhaltige Intensivierung) dazu beitragen k\u00f6nnen, einen produktiven Agrarsektor zum Entwicklungsmotor zu machen (was auch der historischen Erfahrung in Westeuropa entspricht).<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Einen \u00e4hnlichen Ansatz verfolgt auch die <em>African Development Bank (AfDB)<\/em>, deren Chief-\u00d6konom <em>C\u00e9lestin Monga<\/em> k\u00fcrzlich zu bedenken gab: \u201eAutomatisierung und Modernisierung der Landwirtschaft\u201c mit bisher sehr niedriger Produktivit\u00e4t \u201ek\u00f6nnten die Landwirtschaft transformieren und neue Berufe schaffen. Daher m\u00fcssten Erwerbschancen jenseits der Felder entstehen \u2013 beispielsweise in der Verarbeitung von Agrarerzeugnissen oder in der Zulieferung f\u00fcr Bauernh\u00f6fe\u201c. Nur so k\u00f6nnten 12 bis 15 Millionen neue Jobs geschaffen werden, die heute dringend gebraucht w\u00fcrden: Denn etwa zwei Drittel der afrikanischen Erwerbsf\u00e4higen seien arbeitslos oder nicht ihrer Qualifikation entsprechend besch\u00e4ftigt (<em>C. Monga, An African Manifesto der AfDB 2019, zit. in E &amp;Z, Heft 03-04\/2020, S. 25).<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><em>These 3:<\/em> <em>Die bisher \u00fcbliche Vernachl\u00e4ssigung des l\u00e4ndlichen Raums m\u00fcsse durch die gezielte Inklusion<\/em> <em>SME<\/em> (<em>small and middle enterprises<\/em>)<em> \u00fcberwunden (Kappel) und mit einer Bildungsoffensive verbunden werden (Langhammer)<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><em>Rolf Langhammer<\/em>, bis 2012 der Afrika-Experte des Kieler Instituts f\u00fcr Weltwirtschaft (KfW), betont in seinem <em>\u201eReformplan f\u00fcr Afrika\u201c <\/em>vom April 2020 die Schl\u00fcsselfunktion des <em>l\u00e4ndlichen Raums<\/em>, flankiert von agrarwissenschaftlicher Bildungsinitiativen: Eine bessere Bildung in den L\u00e4ndern w\u00fcrde \u201edas Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Notwendigkeit, neue Nutzungsrechte f\u00fcr den Boden zu schaffen und zu sichern. Dies w\u00e4re eine Grundlage daf\u00fcr, die Erkenntnisse der Agrarwissenschaft f\u00fcr Produktivit\u00e4tsverbesserungen afrikanischer B\u00f6den zu nutzen und nat\u00fcrlichen Herausforderungen wie Versteppung und Sch\u00e4dlingsbefall besser zu begegnen. Es entst\u00fcnde eine Quelle f\u00fcr Einkommen und Unternehmertum im l\u00e4ndlichen Raum, die mit Hilfe der durchgreifenden Reformen gegen die Benachteiligung des l\u00e4ndlichen Raums in allen Politikfeldern verstetigt werden k\u00f6nnte. Der l\u00e4ndliche Raum k\u00f6nnte zur Grundlage innerafrikanischer Lieferketten werden und dabei die Informations- und Agglomerationsvorteile der urbanen Zentren nutzen\u201c (<em>R. Langhammer, Ein Reformplan f\u00fcr Afrika, in: FAZ vom 30.04.2020, S. 18).<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><em>Robert Kappel, Birte Pfeiffer und Helmut Reisen<\/em> zeigen auf, unter welchen Umst\u00e4nden langfristig angelegte ausl\u00e4ndische Privatinvestitionen Innovationssch\u00fcbe in L\u00e4ndern mit attraktiven Gesch\u00e4ftsklima ausl\u00f6sen k\u00f6nnten. Ziel dabei sei eine <em>strukturelle Transformation<\/em> von Rohstoff-Export\u00f6konomien zu sich industrialisierenden \u00d6konomien mit einem aussichtsreichen Konsumg\u00fctersektor f\u00fcr die wachsenden Mittelschichten. Dazu m\u00fcssten allerdings die <em>politischen <\/em>Rahmenbedingungen stimmen \u2013 die beliebte Wunschformel aller Wirtschaftsberater!<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><em>These 4: In den EU-L\u00e4ndern wird die Wirksamkeit von externen Hilfsma\u00dfnahmen oft \u00fcbersch\u00e4tzt: Vielleicht zuweilen gut gemeint, sind sie aber ziemlich wirkungsarm und politisch nicht selten kontraproduktiv.<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Hier wird ein <em>Souver\u00e4nit\u00e4tsparadox<\/em> sichtbar, an dem viele der gut gemeinten Reformvorschl\u00e4ge bislang scheiterten: Weil Staaten als anerkannte V\u00f6lkerrechtssubjekte souver\u00e4n handeln und somit auch vern\u00fcnftige Reformen, die der breiten Bev\u00f6lkerung n\u00fctzen w\u00fcrden, verhindern k\u00f6nnen, prallen l\u00f6sungsorientierte Entwicklungspolitiken von au\u00dfen ab; denn r\u00fccksichtslose Herrschaftssicherung \u2013 koste sie was sie wolle - hat Vorrang vor nationalem Gemeinschaftswohl. Logischerweise ist daraus zu schlussfolgern, dass nur ein Beitrag zur St\u00e4rkung der <em>gesellschaftlichen Reformkr\u00e4fte aus den einheimischen Ober-, Mittel- und Unterschichten <\/em>uns dem Ziel einer diversifizierten, innovationsf\u00e4higen Wirtschaftspolitik n\u00e4her bringen k\u00f6nnte.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Daher sind<em> Entwicklungspolitiker der OECD-L\u00e4nder<\/em> gut beraten, wenn sie die \u201e<em>structural change<\/em>\u201c-Komponenten (inklusives Wachstum durch Modernisierung der Landwirtschaft mit Aufbau von Agro-Industrien; F\u00f6rderung des lokalen Unternehmertums und der lokalen Arbeitspotentials) st\u00e4rker in den Blick nehmen w\u00fcrden \u2013 besonders bei der F\u00f6rderung der zw\u00f6lf vom <em>\u201eG20 Compact with Africa\u201c<\/em> ausgew\u00e4hlten Reforml\u00e4nder. Die Regierungen anderer L\u00e4nder-Gruppen (der Kategorie \u201edefekte Demokratien\u201c) sollten versuchsweise mittels <em>positiver materieller Anreize<\/em> zu Reformen ermutigt werden (z. B. mittels Schuldenerlass im Austausch f\u00fcr klimagerechte und sozialvertr\u00e4gliche Agrarreformen). Bewusste Nicht-Kooperation seitens afrikanischer Partner (Veruntreuung von ODA-Mitteln, wie j\u00fcngst von der Weltbank skandalisiert) sollten zu Konsequenzen und ggfs. zum R\u00fcckzug der EU-Geber f\u00fchren (Exit-Strategie), um in Afrika verlorene Glaubw\u00fcrdigkeit zur\u00fcckzugewinnen. ODA-Mittel sollten nicht weiter zur Stabilisierung politischer Verh\u00e4ltnisse missbraucht werden, die Entwicklungsfortschritte nachweislich blockieren (Bonner Aufruf 2018; Tetzlaff 2018; Bass, Kappel &amp; Wohlmuth 2016; Collier 2014).<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Da der Markt alleine die in Afrika n\u00f6tigen Arbeitspl\u00e4tze nicht schaffen wird, sind sorgf\u00e4ltig konzipierte \u00f6ffentliche Besch\u00e4ftigungsprogramme <em>Public Works Programes (PWPs) <\/em>eine unterst\u00fctzungsw\u00fcrdige Ma\u00dfnahme (durchaus auch mit ODA-Mitteln): Sie schaffen Jobs, verbessern die Infrastruktur, bringen Einkommen f\u00fcr bed\u00fcrftige Menschen, einschlie\u00dflich f\u00fcr Frauen und Jugendliche, zum Beispiel nach folgender Methode: Jeweils eine Person aus jedem armen l\u00e4ndlichen Haushalt stehen j\u00e4hrlich 100 Arbeitstage zum gesetzlichen Mindestlohn im Infrastrukturaufbau zu (von Braun &amp; Sakketa 2020, S. 43).<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><em>These 5: Die Corona-Pandemie mit ihren negativen Auswirkungen auf Gesundheit, Jobs, Ern\u00e4hrung und Frieden schw\u00e4cht heute Mehrparteien-Demokratien und zivilgesellschaftliche Widerstandskr\u00e4fte; aber nach \u00dcberwindung der gr\u00f6\u00dften Sch\u00e4den k\u00f6nnte sie auch Ansto\u00df f\u00fcr interne Reformen werden (\u201eModernisierung wider Willen\u201c, \u201eCollective Self-Reliance\u201c)).<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>In ca. 40 afrikanischen L\u00e4ndern sind Regierungen an der Macht, die aus Eigennutz \u00fcberf\u00e4llige Reformen eher blockieren und kreative einheimische Unternehmerpotentiale unterdr\u00fccken oder aber perspektivlose Jugendliche (oft nach dem Studium) zur Emigration treiben. Regierungen betrachten Emigration ihrer Landsleute nicht selten als Gesch\u00e4ft (Jakob &amp; Schlindwein 2017). Da in Not- und Krisenzeiten Staatsregierungen martialisch aufzutreten pflegen, wurden auch die Protestbewegungen der frustrierten afrikanischen Stadtjugend zun\u00e4chst erstickt \u2013 durch Ausgeh- und Versammlungsverbote. Bis zum Ausbruch der Corona-Pandemie hatten sich das maghrebinische Afrika, das s\u00fcdliche Afrika und Teile Ost- und Westafrikas zu Hauptschaupl\u00e4tzen einer globalen Protestwelle von verzweifelten B\u00fcrgern*innen gegen repressive und inkompetente Regierungssysteme entwickelt. Laut <em>Acled<\/em>, einer US-amerikanischen Forschungseinrichtung, fanden 2019\/2020 etwa 9000 solcher friedlichen Proteste statt \u2013 zwanzig Mal mehr als vor zehn Jahren. In L\u00e4ndern wie \u00c4thiopien, Algerien und Sudan, ferner in Kamerun, Togo, Benin, Gabun, Gambia, Guinea, Burkina Faso, Mali, Nigeria und anderswo demonstrierten frustrierte Menschen gegen ihre wirtschaftspolitisch ineffizienten oder eigenn\u00fctzig handelnden Regierungen. Diejenigen, die in Algier, Conakry, Khartum, Lom\u00e9 etc. auf die Stra\u00dfe gingen, bewiesen dass sie <em>zur Selbsterm\u00e4chtigung<\/em> bereit und f\u00e4hig seien: <em>\u201eSie verdienen Unterst\u00fctzung \u2013 nicht die alte Garde an der Macht, die sich auch dank europ\u00e4ischer Zuwendungen sorglos reproduzieren kann, obwohl sie f\u00fcr das genaue Gegenteil steht von dem, was in Afrika fast alle w\u00fcnschen\u201c (Urecht 2020).<\/em><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Wie k\u00f6nnte eine solche Unterst\u00fctzung aussehen? Beispielsweise hat der Wirtschaftswissenschaftler am Kieler Institut f\u00fcr Weltwirtschaft <em>Rolf Langhammer<\/em> in einer Skizze eines \u201e<em>Reformplans f\u00fcr Afrika<\/em>\u201c vorgeschlagen, \u201einternational finanzierte Reformprojekte in zu gr\u00fcndenden <em>Sonderzonen<\/em> zu bewerben, idealerweise grenz\u00fcberschreitend. In diesen Zonen w\u00fcrden bestehende Gesundheits- und Bildungseinrichtungen materiell und personell gest\u00e4rkt, neue Bewirtschaftungsrechte f\u00fcr Boden gelten, innovative Anbaumethoden eingesetzt und Start-up-Unternehmen, vorzugsweise von Frauen, gef\u00f6rdert, mit dem Ziel, innerafrikanische Lieferketten zu etablieren\u201c (Langhammer 2020). Wie <em>Kappel &amp; Reisen<\/em> am Beispiel der bereits bestehenden (nationalen) SEZ gezeigt haben, sind solche Wirtschaftszonen nicht ohne Probleme (\u201eisolierte Enklaven\u201c; <em>\u201ejobless growth<\/em>\u201c), k\u00f6nnen aber doch bei gesunden Rahmenbedingungen (einschlie\u00dflich zuverl\u00e4ssige Elektrizit\u00e4tsversorgung) ausbauf\u00e4hige Entwicklungsimpulse ausl\u00f6sen (Kappel &amp; Reisen 2019, S. 63).<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Dazu k\u00f6nnte eine seri\u00f6se Wiederbelebung des entwicklungspolitischen Grundsatzes - <em>Hilfe zur Selbsthilfe<\/em> bzw. <em>Collective<\/em> <em>Self-Reliance<\/em> \u2013 n\u00fctzlich sein, die f\u00fcr die von Arbeits- und Perspektivlosigkeit geplagten Menschen neue Inklusionshoffnungen zeitigen k\u00f6nnte. Die damit verbundene praktische Hinwendung der jungen Schulabg\u00e4nger zur Entwicklung der heimischen Landwirtschaft prim\u00e4r f\u00fcr den Eigenbedarf und dann zur Belieferung von M\u00e4rkten im In- und Ausland w\u00fcrde allerdings eine <em>neue kulturelle Einstellung<\/em> zum Wert der Landarbeit voraussetzen, die der st\u00e4dtischen Jugend oftmals verloren gegangen ist (Smith 2018). In Afrika gibt es weniger ein Erkenntnisdefizit denn ein Handlungsdefizit.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Zitierte Literatur:<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Abi, Samir. 2020. Bev\u00f6lkerungswachstum: Globale Herausforderung, in: E &amp; Z 2020\/05-06, S. 18-19<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Andersen, Uwe (Hrsg.). 2012. Entwicklungspolitik. Wochenschau-Verlag<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Bass, Hans-Heinrich, Robert Kassel &amp; Karl Wohlmuth, 2016. Ansatzpunkte einer nationalen Besch\u00e4ftigungsstrategie f\u00fcr Tunesien. In: Friedrich-Ebert-Stiftung, Studie, November 2016<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Berliner Institut f\u00fcr Bev\u00f6lkerung und Entwicklung (BIBE)<strong>. <\/strong>2018<strong>. <\/strong>Nahrung, Jobs und Nachhaltigkeit. Was Afrikas Landwirtschaft leisten muss. Berlin<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>BMZ 2020. \u201eReformkonzept BMZ 2030. Umdenken \u2013 Umsteuern\u201c. Berlin<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Braun, Joachim von &amp; Tekalign Sakketa. 2020. Afrika braucht Besch\u00e4ftigungsprogramme. In: E &amp; Z 2020\/05-06, S. 43<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Collier, Paul. Exodus. 2014. Warum wir Einwanderung neu regeln m\u00fcssen. Berlin<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Cremer, Teresa. 2020. Krisen: vom Kopf auf die F\u00fc\u00dfe gestellt. <a href=\"http:\/\/vad-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Afrikapolitisches-Essay-2020_deutsch.pdf?utm_source=mailpoet&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=verleihung-des-vad-preises-fur-das-beste-afrikapolitische-essay-2020_47\">ttp:\/\/vad-ev.de\/wp-content\/uploads\/2020\/05\/Afrikapolitisches-Essay-h2020_deutsch.pdf?utm_source=mailpoet&amp;utm_medium=email&amp;utm_campaign=verleihung-des-vad-preises-fur-das-beste-afrikapolitische-essay-2020_47<\/a><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Dembowski, Hans, 2020. Arbeitsmarkt. Kaum Jobs, Massen junger Leute, in: E &amp; Z 2020, 05\/06, S. 20-21<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Gaisrucker, Florian. 2020. AfDB-Studie: 12 bis 15 Millionen Jobs. In: Entwicklung und Zusammenarbeit. E + Z: Arbeit und Innovation, 2020, 03\/04, S. 25<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Gebauer, Thomas &amp; Ilija Trojanow. 2018. Hilfe? Hilfe! Wege aus der globalen Krise? Frankfurt am Main: Fischer<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Harding, Leonhard.<strong> <\/strong>2020. Mali \u2013 Rebellion, Terror, Heiliger Krieg oder Kampf um bessere Lebensbedingungen? Berlin: Lit<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Jakob, Christian &amp; Simone Schlindwein. 2017. &nbsp;Diktatoren als T\u00fcrsteher Europas. Wie die EU ihre Grenzen nach Afrika verlagert. Ch. Links Verlag<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Kannegie\u00dfer, Christoph, 2020. Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft: Interview mit der Deutschen Welle zur Corona-Pandemie am 13.05.2020<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Kappel, Robert, Birte Pfeiffer, Helmut Rissen<strong>.<\/strong> 2017. Compact with Africa. Fostering Private Long-Term Investment in Africa. DIE Discussion Paper 13\/2017<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Kappel, Robert &amp; Helmut Reisen. 2019. G20 Compact with Africa. The Audacity of Hope.<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Langhammer, Rolf. 2020. \u201cEin Reformplan f\u00fcr Afrika\u201d, in: FAZ vom 30.4.2020<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Lopes, Carlos, 2015. Tunisia\u2019s economic future is in Africa. 16. November 2015; <a href=\"http:\/\/www.uneca.org\/sites-blog\/tunisiaE280%99s-economic\">http:\/\/www.uneca.org\/sites-blog\/tunisiaE280%99s-economic<\/a>-future-africa<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Monga, C. 2019. An African Manifesto, In: C. Monga, A. Shimeless &amp; A. Woldemichael: Creating Decent Jobs. Strategies, Policies and Instruments. African Development Bank policy research document 2, PP. 1 - 56. <a href=\"https:\/\/am.afdb.org\/sites\/default\/files\/AfDB18-16_Jobs_English.pdf\">https:\/\/am.afdb.org\/sites\/default\/files\/AfDB18-16_Jobs_English.pdf<\/a><\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Melber, Henning (Hrsg.), 2019. Deutschland und Afrika. Anatomie eines komplexen Verh\u00e4ltnisses. Frankfurt am Main<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Moyo, Dambisa. 2009. Dead Aid. London: Penguin<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Sarr, Felwine. 2019. Afrotopia. Berlin: Matthes &amp; Seitz<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Seitz, Volker. 2018. Afrika wird arm regiert. M\u00fcnchen 2018<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Smith, Stephen. 2018. Nach Europa! Das junge Afrika auf dem Weg zum alten Kontinent. Berlin: fotoTAPETA<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Tetzlaff, Rainer. 2018. Afrika. Eine Einf\u00fchrung in Geschichte, Politik und Wirtschaft. Lehrbuch. Wiesbaden VS Springer<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Tetzlaff. Rainer. 2020. \u201eAfrikas wirtschaftliche Zukunft liegt in Afrika. Ein Pl\u00e4doyer f\u00fcr eine kreative Politik der Fluchtursachenbek\u00e4mpfung\u201c, in: Gesellschaft, Wirtschaft, Politik. Sozialwissenschaften f\u00fcr politische Bildung, Verlag Barbara Budrich, 69. Jg., Nr. 1, 2020, S. 59-70<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p>Urech, Fabian<strong>.<\/strong> 2020. \u201eNirgends gab es vor Corona mehr Proteste als in Afrika \u2013 nun wird das Virus zum Brandbeschleuniger der Wut, in: Neue Z\u00fcrcher Zeitung vom 8.4.2020<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:separator -->\n<hr class=\"wp-block-separator\"\/>\n<!-- \/wp:separator -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><a href=\"#_ftnref1\">[1]<\/a> Von den 12 L\u00e4ndern, die im Rahmen des \u201eG20 Compact with Africa\u201c als zu bevorzugende Partnerl\u00e4nder gef\u00f6rdert werden sollen (Benin, Burkina Faso, Elfenbeink\u00fcste, \u00c4gypten, \u00c4thiopien, Ghana, Guinea, Marokko, Ruanda, Senegal, Togo und Tunesien), geh\u00f6ren sechs in diese Gruppe der Best Performer und drei (Ruanda,&nbsp; \u00c4thiopien und \u00c4gypten) in die Gruppe der Entwicklungsdiktaturen. Togo hat hier eigentlich nichts zu suchen!<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->\n\n<!-- wp:paragraph -->\n<p><a href=\"#_ftnref2\">[2]<\/a> Die deutsche Mali-Politik tr\u00e4gt Z\u00fcge von Realit\u00e4tsverlust, wenn man die Bundestagsdebatte \u00fcber die Fortsetzung des Bundeswehreinsatzes EUTM Mali am 13. Mai 2020 zugrunde legt. Der einzig kritische Debattenbeitrag kam ausgerechnet von Prof. Dr. Lothar Maier, AfD, Landesliste Baden-W\u00fcrttemberg : \u201eOhne politische Beteiligung\u201c der Bev\u00f6lkerung in den bislang politisch marginalisierten und wirtschaftlich vernachl\u00e4ssigten Regionen des Nordens und der Mitte sei der milit\u00e4rische Einsatz \u2013 jetzt im siebten Jahr ohne Erfolge \u2013\u201e nicht zu verantworten\u201c. Das Parlament. Debatten-Dokumentation, Berlin 13.5.2020, S. 2; Bernd Ulrich: \u201ePasst nicht\u201c, in: Die Zeit vom 30.01.2020, S. 3<\/p>\n<!-- \/wp:paragraph -->","_et_gb_content_width":"","footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-352","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.rainertetzlaff.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/352","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.rainertetzlaff.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.rainertetzlaff.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rainertetzlaff.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rainertetzlaff.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=352"}],"version-history":[{"count":10,"href":"https:\/\/www.rainertetzlaff.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/352\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":406,"href":"https:\/\/www.rainertetzlaff.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/352\/revisions\/406"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rainertetzlaff.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media\/166"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.rainertetzlaff.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=352"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rainertetzlaff.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=352"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.rainertetzlaff.de\/index.php\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=352"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}